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Lottes Mutterbindung. Ihre Mitschuld an Werthers Selbstmord
Author(s) -
Dumiche Béatrice
Publication year - 1995
Publication title -
orbis litterarum
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.109
H-Index - 8
eISSN - 1600-0730
pISSN - 0105-7510
DOI - 10.1111/j.1600-0730.1995.tb00088.x
Subject(s) - humanities , philosophy
Inwiefern begründet die in neueren Analysen herausgearbeitete Ambivalenz Lottes ihre Mitschuld am Selbstmord Werthers, und inwiefern motiviert die bedingte Erkenntnis ihrer persönlichen Verantwortung eine Verlagerung der auktorialen Perspektive? Diese Fragen versucht der Artikel zu beantworten, indem er ihre Verankerung in einer bürgerlich pietistischen Empfindsamkeit in Ver‐bindung mit ihrer exzessiven Mutterbindung untersucht und aufzeigt, daß diese psychische Struktur sie veranlaßt, verdrängte ödipale Neigungen auf ihre Partnerwahl zu projizieren. Ihre Ver‐bindung zu Werther erscheint somit als das Bestreben, die durch den Tod der Mutter unwiederbringlich zerstörte Einheit der Familie in einer mythischen Realität wiederherzustellen, die ihre Ent‐sprechung in einem Literaturverständnis findet, das die Zurückge‐winnung der ursprünglichen Wesenhaftigkeit des Wortes als Fundament einer menschlichen Seelengemeinschaft zum obersten Kriterium schriftstellerischen Könnens erhebt. Werthers Scheitern als Künstler und als Mensch kann somit als Folge ihrer necrophilen Mutterbindung verstanden werden, von deren partieller Aufar‐beitung die Verschiebung der auktorialen Perspektive im Heraus‐geberbericht zeugt.

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