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Die Massenzucht von Königinnen der kleinen roten Waldameise im Wald 1
Author(s) -
Gösswald Karl
Publication year - 2009
Publication title -
zeitschrift für angewandte entomologie
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.795
H-Index - 60
eISSN - 1439-0418
pISSN - 0044-2240
DOI - 10.1111/j.1439-0418.1942.tb00546.x
Subject(s) - art , humanities , gynecology , philosophy , medicine
D. Zusammenfassung Die sich jedes Jahr in großer Zahl entwickelnden jungen Arbeiterinnen gehen infolge besonders schwieriger Lebens‐ und Koloniegründungsverhältnisse unter natürlichen Bedingungen fast sämtlich verloren, ohne ihr Ziel erreicht zu haben. Die Königinnenzucht jedoch macht es möglich, diese jungen Königinnen fast ohne Verlust ihrer Bestimmung zuzuführen. Die planmäßige Ausnutzung des Vermehrungspotentials der Ameisen auf der Grundlage der Königinnenzucht fördert die Vermehrung der roten Waldameise erheblich mehr, als das einfache Aufteilen der Nester, das zudem nicht bei allen Arten zum Ziel führen würde. Eine weitere wichtige Aufgabe, die voraussichtlich durch eine Massenzucht von Königinnen zu erreichen sein wird, ist die Umweiselung weniger nützlicher Waldameisenarten auf besonders nützliche; dadurch könnte in vielen Gegenden, in denen die kleine rote Waldameise fehlt, diese räuberische Art auf schnellstem Wege angesiedelt werden. Ferner ist durch Zusetzen Junger Königinnen eine Aufweiselung schwacher, im Zerfall begriffener Kolonien möglich. Schließlich soll in Anbetracht der Verschiedenwertigkeit der einzelnen Arten der Versuch gemacht werden, eine Auslese von Stämmen mit wertvollsten Eigenschaften zu treffen. Die Königinnenzucht beginnt mit dem Sammeln der großen Geschlechtstierpuppen im zeitigen Frühjahr. So ist einerseits die Larvenentwicklung und damit die Ernährung abgeschlossen, während andererseits die Puppen noch von den Ameisen als indifferent empfunden und daher adoptiert werden; im Gegensatz dazu werden die bereits geschlüpften Tiere als fremd erkannt und getötet. Die kritischen Entwicklungszeiten des Ameisenstaates, nämlich die Begattung und die Koloniegründung der Weibchen werden durch die Königinnenzucht unter Kontrolle gestellt, so daß die natürliche, über 99% betragende Verlustziffer auf ein Mindestmaß herabgesetzt wird. Im ganzen Verlauf der Königinnenzucht sind wesentliche Artunterschiede zu berücksichtigen. Bei der Zusammenstellung des Zuchtmaterials ist darauf zu achten, daß Männchen und Weibchen, die meist in getrennten Nestern zur Entwicklung gelangen, sich in zweckentsprechender Menge und Zeitfolge vereinigen können. Die jungen Geschlechtstiere müssen in die Schwarmphase eingetreten sein, also von selbst das Bestreben haben, ihr Nest zu verlassen, bevor sie zur Begattung zusammengebracht werden. Das Abfangen der geflügelten Tiere ist erstens eine biologische Notwendigkeit wegen des Mordinstinktes der Arbeiterinnen gegen junge begattete Weibchen des eigenen Nestes, bzw. bei der kleinen roten Waldameise deswegen, weil die im Zwinger in Überzahl aufgezogenen Weibchen vernachlässigt werden; zweitens ist es zweckmäßig und einfacher, die geflügelten Tiere abzusammeln, um die Königinnen unmittelbar zu gewinnen, statt sie später aus der Tiefe des Nestes herausholen zu müssen. Der Zwinger wird bei besonders ausgewählten Stammkolonien über geeignete Nester gebaut. In einem ringsum und seitlich nach unten mit feiner Metallgaze abgeschlossenen Raum können zur Zeit der geflügelten Geschlechtstiere nur die viel kleineren Arbeiterinnen aus‐ und einlaufen, um genügend Nahrung einzutragen, während die größeren Männchen und Weibchen zurückbleiben müssen und daher abgefangen werden können. Das Puppensammeln und Einbringen der Puppen in den Zwinger geschieht unter besonderen Vorsichtsmaßregeln. Die geflügelten Tiere werden im Zwinger mittels ergiebiger Fangflaschen aufgenommen. Die Begattung der stetig abzusammelnden Weibchen durch die Männchen findet in zweckentsprechend eingerichteten Formikarien statt. Die begatteten Weibchen werfen bald die Flügel ab. Diese flügellosen Weibchen werden täglich aus dem Formikarium entfernt und baldigst ihrer Bestimmung zugeführt. Wenn auch zur Zeit die Vorteile der Königinnenzucht aus äußeren Gründen noch nicht überall in der Forstwirtschaft zur Auswirkung kommen können, so empfiehlt es sich, jetzt schon wenigstens in geeigneten Wäldern Zwinger zu bauen und Erfahrungen zu sammeln über die zum Teil recht komplizierten Lebensverhältnisse der roten Waldameise, damit zu gegebener Zeit sofort mit dem Masseneinsatz dieses besten Helfers gegen die Waldverderber begonnen werden kann. Zur Überbrückung von Beschaffungsschwierigkeiten können die zum Bau der Zwinger erforderlichen Materialien, soweit vorrätig, zur Verfügung gestellt werden.