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Grenzen von Laubwäldern in Europa
Author(s) -
Klötzli F.
Publication year - 1976
Publication title -
berichte der deutschen botanischen gesellschaft
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.871
H-Index - 87
eISSN - 1438-8677
pISSN - 0365-9631
DOI - 10.1111/j.1438-8677.1976.tb03601.x
Subject(s) - physics , microbiology and biotechnology , gynecology , biology , medicine
Zusammenfassung Natürliche Laubwaldgrenzen innerhalb Mischwaldkomplexen Europas werden durch klimatische und edaphische Faktoren (inkl. Relief) vorgezeichnet. Wegen der starken Verflechtung der beiden Faktorengruppen ergibt sich selten die Möglichkeit, abrupte Vegetationsveränderungen einem Faktor (Faktorengruppe) eindeutig zuzuordnen. Außerdem spielen manchmal Verbreitungshindernisse (Gebirge, Meer usw.) sowie natürliche biogene Einflüsse (Wild, Parasiten) eine mitentscheidende Rolle. Selbstverständlich hat der jahrhundertealte Einfluß des Menschen das Seine dazu beigetragen, um die natürlichen Grenzen zu verwischen. Auf „mittleren Standorten” wird das Auftreten von Altbäumen durch klimatische Faktoren bestimmt, die Baum‐ und Strauchschicht direkt beeinflussen. Je nach Kontinentalität und Breitenlage können entscheidend sein: Wärmegenuß in der Vegetationsperiode und im Herbst (Knospenreifung!), Spät‐ und Extremfröste, regelmäßiges Auftreten bzw. längere Dauer von Dürre und Nässe. Diese entscheidenden Elemente lassen sich bequem im Klimadiagramm nach W alter darstellen. Modifiziert wird die Wirkung dieser Klimaeigenheiten durch Wind, Nebel, Reif, luftfeuchte Lagen, Naßschnee (Druck und Dauer des Lagers), was zum Teil auf die Förderung von pathogenen Faktoren hinausläuft, zum Teil rein mechanisch das Aufkommen von höherwüchsigen Holzpflanzen verhindert. Einige dieser Klimaelemente haben auch eine direkte Wirkung auf die edaphischen Faktoren, z. B. über die Auswaschung von Nährstoffen (Einheiten des Niederschlagsregimes) oder die Akkumulation von Humus (Temperaturregime). Die edaphischen Faktoren bestimmen in erster Linie schon die Vitalität der Verjüngung in Kraut‐ und Strauchschicht (mit). Entscheidend können bereits die Keimbettbedingungen sein, die das Verhalten und die Konkurrenz unter den Sämlingen festlegen, z. B. über die Wurzelentwicklung oder über pathogene Faktoren. Je nach klimatischen Bedingungen können außerdem die folgenden Bodenfaktoren von prägendem Einfluß sein: Bodenphysik bzw. Bodenentwicklung (z. B. Gründigkeit, Hangstabilität, Freisetzung und Verlagerung von Ton und Nährstoffen), damit verknüpft Bodenchemie (Verfügbarkeit von Nährstoffen verbunden mit der Auslösung von pathogenen Faktoren) und Bodenbiologie (Mykorrhiza, Aktivität von Zerlegern). Diese entscheidenden Vorgänge lassen sich anschaulich in einem schematischen Bodenprofil darstellen. Die Frage nach den Ursachen für das Fehlen bestimmter Baumarten unter der belastenden Wirkung eines Standortfaktors wird diskutiert und die Strategie konkurrenzkräftiger Arten beleuchtet.