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Verzögerte Soforttyp‐Allergie gegen rotes Fleisch und Innereien: aktueller Wissensstand zu einem neuen Krankheitsbild
Author(s) -
Fischer Jörg,
Biedermann Tilo
Publication year - 2016
Publication title -
jddg: journal der deutschen dermatologischen gesellschaft
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.463
H-Index - 60
eISSN - 1610-0387
pISSN - 1610-0379
DOI - 10.1111/ddg.120_12821
Subject(s) - medicine , gynecology
Zusammenfassung In der In‐vitro‐Allergiediagnostik hat die Entwicklung hin zu Einzelkomponenten statt die Verwendung von Gesamtextrakten in den letzten Jahren große Fortschritte gebracht. Besonders eindrücklich ist die Identifizierung von neuen Krankheitsentitäten, die mit dem Nachweis von IgE‐Antikörpern gegen bestimmte Einzelkomponenten einhergehen. Eine besondere Bedeutung kommt der verzögerten Soforttypallergie gegen rotes Fleisch und Innereien zu. Dieses Krankheitsbild ist im deutschsprachigen Raum häufiger als zunächst angenommen und wird wahrscheinlich immer noch unterdiagnostiziert. Betroffene Patienten reagieren verzögert mit Typ‐I‐Reaktionen auf rotes Fleisch oder, etwas früher, nach Verzehr von Innereien. Bei allen Patienten können IgE‐Antikörper gegen das Oligosaccharid Galaktose‐α‐1,3‐Galaktose, kurz α‐Gal, nachgewiesen werden. Betroffene müssen auch α‐Gal‐haltige Medikamente wie Cetuximab oder Gelatine‐haltige Volumenersatzmittel meiden. Das Krankheitsbild, das auch α‐Gal‐Syndrom genannt wird, ist insofern neuartig als es sich um eine Soforttypallergie gegen einen Zucker und nicht gegen ein Protein handelt. Da viele Patienten eine Krankengeschichte mit wiederholten Schüben einer akuten Urtikaria oder von Angioödemen aufweisen, sollte das α‐Gal‐Syndrom Dermatologen geläufig sein.