
Wunsch und Erleben von Partizipation für Kinder und Jugendliche in der stationären Psychiatrie
Author(s) -
Paul-Simon Zerbe,
Eberhard Schulz,
Andrea Dixius,
Mirjam Körner
Publication year - 2021
Publication title -
zeitschrift für kinder- und jugendpsychiatrie und psychotherapie
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.215
H-Index - 24
eISSN - 1664-2880
pISSN - 1422-4917
DOI - 10.1024/1422-4917/a000797
Subject(s) - political science , gynecology , humanities , medicine , philosophy
Zusammenfassung. Fragestellung: Kinder haben ein Recht auf Mitbestimmung. Welche Phasen und Bereiche von Mitbestimmung innerhalb der Kinder- und Jugendpsychiatrie besonders relevant sind, wurde nur selten empirisch untersucht. Somit ist es Ziel der vorliegenden Studie, den Wunsch und das Erleben von Beteiligung für verschiedene Dimensionen der stationären Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie differenziert zu betrachten. Methode: Es wurde eine prospektive multizentrische Fragebogenerhebung durchgeführt. Das Erhebungsinstrument umfasste 100 Fragen, zusammengefasst in 16 Skalen, zum Wunsch und Erleben von Beteiligung innerhalb verschiedener Phasen (Information, Deliberation, Entscheidung), Bereiche (Behandlung, Klinikalltag, Persönliche Freiheiten) und Partizipation im weiteren Sinne (Respekt, Vertrauen). Die Daten wurden deskriptiv und inferenzstatistisch ausgewertet. Ergebnisse: 81 Kinder und Jugendliche aus fünf psychiatrischen Kliniken nahmen an der Studie teil. Insgesamt wünschen sie sich mehr Beteiligung als sie erleben. Je höher die Stufe der Beteiligung, desto größer die Differenz zwischen Wunsch und Erleben. Für Entscheidungen zur Kommunikation mit Familie und Freunden ist der Wunsch nach Beteiligung besonders hoch. Die deutlichste Differenz zwischen Wunsch und Erleben zeigte sich im respektvollen und vertrauensvollen Umgang mit den Kindern und Jugendlichen. Für weibliche Patienten ist diese Differenz noch größer als für männliche. Schlussfolgerung: Partizipation ist mehr als Aufklärung bei Behandlungsentscheidungen. Besonders bei höheren Stufen von Beteiligung und bei Entscheidungen zur Kommunikation mit Familie und Freunden besteht noch Potenzial für den Einbezug der Kinder und Jugendlichen. Ein respekt- und vertrauensvoller Umgang mit den Patientinnen und Patienten, unabhängig von Alter, Geschlecht und Erkrankung, sind dabei die Grundlage.