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Polysulfonylamine. LXXXI. Zwei dimere Diorganylzinn(IV)‐hydroxide mit bemerkenswerten supramolekularen Kristallstrukturen und siebenfach koordiniertem Zinn: [Me 2 (A)Sn(μ‐OH)] 2 (HA = Benzol‐1,2‐disulfonsäureimid) und [Me 2 (A)(phen)Sn(μ‐OH)] 2 · 2MeCN (HA = Dimesylamin)
Author(s) -
Wirth Andreas,
Henschel Dagmar,
Blaschette Armand,
Jones Peter G.
Publication year - 1997
Publication title -
zeitschrift für anorganische und allgemeine chemie
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.354
H-Index - 66
eISSN - 1521-3749
pISSN - 0044-2313
DOI - 10.1002/zaac.19976230192
Subject(s) - chemistry , monoclinic crystal system , crystal structure , stereochemistry , medicinal chemistry , crystallography
Das dimere Hydroxid [Me 2 {C 6 H 4 (SO 2 ) 2 N}Sn(μ‐OH)] 2 ( 4 ) entstand durch Reaktion von Me 2 SnO mit Benzol‐1,2‐disulfonsäureimid in siedendem MeCN. Komplexierung des bekannten Analogons [Me 2 {(MeSO 2 ) 2 N}Sn(μ‐OH)] 2 ( 3 ) mit 1,10‐Phenanthrolin in MeCN ergab Kristalle des thermisch labilen Solvants [Me 2 {(MeSO 2 ) 2 N}(phen)Sn(μ‐OH)] 2 · 2MeCN ( 6 ). Bei entsprechender Behandlung von 3 mit anderen Stickstoffbasen B, so z.B. 1,8‐Bis(dimethylamino)naphthalin, 4‐Dimethylaminopyridin oder Pyridin, trat quantitativer Abbau zu Me 2 SnO und [BH]⊕[(MeSO 2 ) 2 N] ⊖ ein. Die inversionssymmetrischen Formeleinheiten von 4 (monoklin, Raumgruppe P2 1 /c) und 6 (monoklin, P2 1 /n) enthalten den häufig zu beobachtenden [SnO(H)] 2 ‐Vierring. Im Molekül von 4 wirkt das Imid‐Anion als einzähniger O‐Ligand. Die Kristallpackung enthält Molekülbänder in Richtung der a‐Achse. Innerhalb der Bänder sind translatorisch angeordnete Nachbarmoleküle über zwei äquivalente und gegenläufige Bindungssätze miteinander verknüpft; jeder Satz besteht aus zwei Metall–Imid‐Bindungen Sn–O und Sn–N sowie einer Wasserstoffbrücke Sn–O–H … O. Die Bänder ihrerseits sind über eine Wasserstoffbrücke Sn–C‐H … O zu einem dreidimensionalen Netzwerk assoziiert. Beim Aufbau der supramolekularen Kristallstruktur durch molekulare Selbsterkennung zwischen den komplementären Molekülen 4 werden alle basischen Zentren der Sequenz (O 2 ,O 3 )S–N–S(O 4 ,O 5 ) genutzt, nämlich O 2 für die intramolekulare Sn–O‐Koordination, N und O 4 als Donoratome in den zwischenmolekularen Metall‐Ligand‐Bindungen und O 3 und O 5 als Wasserstoffbrückenakzeptoren. In Verbindung 6 , die phen als zweizähnigen Chelatliganden enthält und wahlweise als ionischer Kristall [Me 2 (phen)Sn(μ‐OH)] 2 2⊕ · 2(MeSO 2 ) 2 N ⊖ · 2MeCN mit hexakoordiniertem Zinn angesehen werden könnte, sind die Anionen locker über einen Sn–O‐Sekundärkontakt und eine Wasserstoffbrücke Sn–O–H … N and das Kation gebunden; es existieren keine gerichteten Bindungswechselwirkungen zwischen den Ionentripeln oder zwischen MeCN und den Ionen. Einschließlich der intermolekularen bzw, interionischen Sn–X‐Bindungen erreichen die Zinnatome in 4 und 6 die formale Koordinationszahl sieben mit einer pentagonal‐bipyramidalen Geometrie. Die Methylgruppen besetzen jeweils die apikalen Positionen, die Sauerstoff‐ und Stickstoff‐Donoratome bilden das annähernd planare äquatoriale Pentagon. Die gegenwärtig bekannten Koordinationsgeometrien des Zinns in dimeren Diorganylzinn(IV)‐hydroxiden werden diskutiert.