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Die Geburt der Statistischen Mechanik aus dem Geist der Elektronentheorie der Metalle
Author(s) -
Renn J.
Publication year - 1997
Publication title -
physikalische blätter
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1521-3722
pISSN - 0031-9279
DOI - 10.1002/phbl.19970530906
Subject(s) - philosophy , humanities , physics
Die Statistische Mechanik verdankt, jedenfalls in ihrer Einsteinschen Version, ihren Ursprung der Herausforderung der kinetischen Theorie der Wärme durch die Elektronentheorie der Metalle. Das geht aus zum Teil erst kürzlich vollständig bekannt gewordenen zeitgenössischen Dokumenten hervor. Um 1901 hat sich demnach Albert Einstein als Student intensiv mit der Elektronentheorie der Metalle beschäftigt und einem ihrer Begründer, Paul Drude, einen Brief mit zwei sachlichen Einwänden gegen dessen Theorie gesandt. Über die Natur dieser Einwände konnte man bisher nur spekulieren. Eine jetzt bekannt gewordene Briefstelle macht klar, daß einer dieser Einwände auf Drudes Verwendung von Resultaten der Boltzmannschen kinetischen Gastheorie zielte. Der junge Einstein war überzeugt, daß zur Begründung der Elektronentheorie eine Theorie mit weniger speziellen Annahmen als denen der Gastheorie erforderlich war. Während Drude die Kritik zurückwies, entwickelte Einstein aus dieser Aufgabenstellung seine Version der Statistischen Mechanik, die er, unabhängig von Gibbs, beginnend im Jahre 1902 veröffentlichte.