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Spallationsneutronenquelle — das nächste große europäische Gemeinschaftsprojekt?
Author(s) -
Lengeler H.,
Richter D.,
Springer T.
Publication year - 1993
Publication title -
physikalische blätter
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1521-3722
pISSN - 0031-9279
DOI - 10.1002/phbl.19930491110
Subject(s) - humanities , physics , political science , art
Nach den Vorstellungen einer von der Europäischen Gemeinschaft eingesetzten Expertengruppe soll im nächsten Jahrhundert eine europäische Neutronenquelle mit einem nutzbaren thermischen Fluß von deutlich mehr als 10 15 n/s cm 2 gebaut werden. Dabei blieb offen, ob dieses Ziel über einen Höchstflußreaktor oder eine Spallationsneutronenquelle (SQ) zu erreichen sei. Aus der Sicht des (deutschen) „Komitees für Neutronen” sollte es sich um eine SQ handeln, vor allem, weil zu erwarten ist, daß diese Technologie das größere Zukunftspotential besitzt. In bezug auf die Alternative zu einer SQ — ein Höchstflußreaktor, der über die Leistung des Reaktors in Grenoble (10 15 n/s cm 2 ) deutlich hinausreicht — wurde europaweit noch keine Initiative ergriffen. Zum einen dürfte dies mit der bekannten Akzeptanzproblematik zu tun haben, zum anderen auch damit, daß ein solcher Reaktor mit einiger Wahrscheinlichkeit schon bald in Oak Ridge (Tennessee/USA) gebaut werden dürfte. — Inzwischen haben Physiker des Forschungszentrums Jülich und des Rutherford‐Appleton Laboratory (RAL) in Chilton/England und mehrere andere europäische Gruppen damit begonnen, eine technische Studie auszuarbeiten, die eine große „Europäische Spallationsneutronenquelle” (ESS) zum Ziel hat. Die Projektleitung der Studie ist im Forschungszentrum Jülich angesiedelt, das wissenschaftliche Sekretariat am RAL. Die Studie, über die im folgenden berichtet wird, soll nach einer Anlaufphase ab 1994 durch die EG finanziert werden. Zur Zeit sind daran bereits fünf europäische Länder mit etwa vierzig Wissenschaftlern beteiligt.