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Gerissener Stahlbeton: Wie korrosionsgefährdet ist die Bewehrung?
Author(s) -
Gehlen C.,
Sodeikat C.
Publication year - 2003
Publication title -
materials and corrosion
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.487
H-Index - 55
eISSN - 1521-4176
pISSN - 0947-5117
DOI - 10.1002/maco.200390093
Subject(s) - reinforced concrete , physics , humanities , materials science , art , composite material
Zum Bemessungsprinzip von Stahlbetonbauteilen gehört es in der Regel, dass der Beton im Zugbereich aufreißt und die Zugkräfte von der Stahlbewehrung aufgenommen werden. Durch konstruktive Maßnahmen können die entstehenden Risse in ihrer Breite beschränkt werden. Bereits Ende der fünfziger Jahre wurden erste Untersuchungen durchgeführt, um den Einfluss von Rissen und Rissbreite auf das Korrosionsrisiko zu erfassen. Korrosionsfördernde Stoffe wie CO 2 und Chloride können in Rissbereichen wesentlich rascher zum Bewehrungsstahl vordringen als in ungerissenen Bereichen; die Zeitphase der Depassivierung der Bewehrung ist in Rissbereichen deshalb wesentlich schneller abgeschlossen. Bevor Schießl seine grundlegenden Versuche und Literaturauswertungen zum Einfluss der Rissbreite auf die Korrosionsgeschwindigkeit der Bewehrung in Rissbereichen veröffentlichte, ging man davon aus, dass die Korrosionsgeschwindigkeit mit der Rissbreite zunimmt. Bis zur Fassung der DIN 1045 von 1988 wurden deshalb die einzuhaltenden Rissbreiten in Abhängigkeit von den Umwelteinwirkungen gestaffelt vorgegeben. Die Fassung der DIN 1045 von 1988 enthielt diese Staffelung erstmals nicht mehr, zur Sicherung der Dauerhaftigkeit von Stahlbetonbauwerken wurde ein Rechenwert von 0,25 mm festgelegt. In der Fassung der DIN 1045 von 2001 ist der Rechenwert der Rissbreite von 0,25 mm auf 0,30 mm heraufgesetzt worden. In letzter Konsequenz sind nunmehr die Erkenntnisse, welche Schießl in Heft 370 des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton veröffentlicht hat, umgesetzt worden. Entscheidend für die Korrosionsgeschwindigkeit der Bewehrung in Rissbereichen ist die Dichte und die Dicke der Betondeckung und nicht die Rissbreite, wobei horizontale Bauteile mit Chloridbeaufschlagung generell durch zusätzliche Maßnahmen geschützt werden sollten.