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Vegetationsökologische Untersuchungen auf nährstoffreichen Feuchtgrünland‐Brachen Sukzessionsverlauf und dynamisches Verhalten von Einzelarten
Author(s) -
Jensen K.
Publication year - 1997
Publication title -
feddes repertorium
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.24
H-Index - 25
eISSN - 1522-239X
pISSN - 0014-8962
DOI - 10.1002/fedr.19971080714
Subject(s) - biology
Bis weit in unser Jahrhundert bestanden große Teile des Grünlandes des nordwestdeutschen Tieflandes aus extensiv bewirtschafteten artenreichen Feuchtwiesen. Eine Nutzungsaufgabe führt in diesen Systemen zu Verschiebungen im Konkurrenzgefüge der Pflanzenarten und löst Veränderungen in der Vegetationszusammensetzung und ‐struktur aus. Die Sukzession nach der Nutzungsaufgabe ist durch die Abfolge charakteristischer Brachestadien gekennzeichnet: Nach einer Initialphase (Brachestadium I) kommt es zur Ausbildung artenarmer Dominanzbestände hochwüchsiger Pflanzenarten, die bereits im Ausgangsbestand vorhanden waren (Brachestadium II). Der weitere Sukzessionsverlauf wird durch das Einwandern und die Etablierung von krautigen Arten ausgelöst, die in den Beständen zur Kodominanz gelangen (Brachestadium III). Schließlich kommt es zur Einwanderung und Etablierung von Gehölzen, so daß sich Gehölzbestände ausbilden (Brachestadium IV). Im Laufe der untersuchten Sukzession (Brachestadium I bis III) geht die Artenzahl ebenso zurück wie die Diversität und die Evenness. Es kommt zur Ausbildung hochproduktiver Bestände sowie zur Ausbildung einer mächtigen Streuschicht (bis zu 500 g/m 2 ), so daß die Keimung und Etablierung vieler Arten behindert werden. Die in der Sukzession auftretenden Arten können nach ihrem dynamischen Verhalten vier Sukzessionskategorien zugeordnet werden: Die Deckungsanteile der Arten der Sukzessionskategorie A und B gehen im Laufe der Sukzession zurück. Während Arten der Sukzessionskategorie A (z. B. Lychnis flos‐cuculi, Anthoxanthum odoratum ) in späteren Sukzessionsstadien lokal aussterben, kommen Arten der Sukzessionskategorie B (z. B. Cirsium oleraceum. Ranunculus repens ) in diesen regelmäßig in geringer Deckung vor. Die Deckungsanteile der Arten der Sukzessionskategorie C (z. B. Angelica sylvestris, Equisetum fluviatile ) bleiben im Laufe der Sukzession weitgehend unverändert. Arten der Sukzessionskategorie D ( Carex acutiformis, Galeopsis tetrahit agg.) erhöhen ihre Deckungsanteile in späten Brachestadien. Die Zuordnung der Arten zu den Sukzessionskategorien kann mit Wuchseigenschaften der Arten korreliert werden: Arten der Sukzessionskategorien A und B sind durch niedrige Wuchshöhen gekennzeichnet. Weiterhin sind viele der Arten auf eine regelmäßige Fortpflanzung durch Samen angewiesen. Arten der Sukzessionskategorie D verfügen über große Wuchshöhen, ihre Wuchsform ist oft durch unterirdische Ausläufer (Rhizome) gekennzeichnet. Die Arteigenschaften der Arten der Sukzessionskategorie C sind intermediär. einige Arten entgehen der Konkurrenz der hochwüchsigen Arten der Sukzessionskategorie D durch phänologische Differenzierung (z. B. Caltha palustris ). Abschließend werden die der Sukzession zugrunde liegenden Mechanismen und die Anwendbarkeit bestehender Sukzessionsmodelle auf die Vegetationsveränderungen auf Feuchtgrünland‐Brachen diskutiert.