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Endlagerung radioaktiver Abfälle
Author(s) -
Mengel Kurt,
Röhlig KlausJürgen,
Geckeis Horst
Publication year - 2012
Publication title -
chemie in unserer zeit
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.217
H-Index - 24
eISSN - 1521-3781
pISSN - 0009-2851
DOI - 10.1002/ciuz.201200582
Subject(s) - chemistry , gynecology , medicine
Als Wirtsgesteine für die Entsorgung radioaktiver Abfälle in tiefen geologischen Formationen werden weltweit Tonstein, Granit und Steinsalz untersucht. Diese Gesteinstypen weisen sehr unterschiedliche Eigenschaften hinsichtlich ihres mechanischen und chemischen Verhaltens auf, insbesondere bei der Einlagerung von wärmeentwickelnden Abfällen. Diese Unterschiede beruhen auf den jeweiligen Bildungsbedingungen: Langsame Sedimentation feinkörniger Minerale aus der Meerwassersäule im Bereich großer Flussmündungen mit anschließender Diagenese (Tonsteine); Kristallisation silikatischer Magmen in den oberen 20 km der kontinentalen Erdkruste bei 700 bis 850°C (Granit) und chemische Fällung von Chloriden und Sulfaten aus eindunstendem Meerwasser in isolierten ozeanischen Randbecken unter ariden Bedingungen der geologischen Vergangenheit (Steinsalz). Granit reagiert vergleichsweise wenig mit wässrigen Lösungen, wenn das Gestein durch radiogene Wärmeentwicklung im Endlager Temperaturerhöhungen ausgesetzt wird. Solche Temperaturveränderung beeinflussen dagegen die mechanischen und die chemischen Eigenschaften von Tonstein und von Steinsalz in erheblichem Maße: In Tonsteinen können die Rückhalteeigenschaften der Schichtsilikate gegenüber potentiell ausgetretenen Radionukliden leiden (Illitisierungsreaktionen), die Plastizität von Steinsalz korreliert mit der Temperatur, was zu einem schnelleren Umschließen von Abfallbehältern führt. Von großer Bedeutung für die Auswahl von einschlusswirksamen Gebirgsbereichen im Steinsalz ist aus chemischer Sicht die Abwesenheit reaktionsfähiger hochsalinarer Lösungen, die je nach Zusammensetzung bei erhöhten Temperaturen mit Teilen der Salzformation wie z.B. Kali‐Flözen reagieren können.