Premium
Gesellschaftsstruktur als Analogie: Genetiker stellen sich die Zelle vor
Author(s) -
Harwood Jonathan
Publication year - 1989
Publication title -
berichte zur wissenschaftsgeschichte
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.109
H-Index - 8
eISSN - 1522-2365
pISSN - 0170-6233
DOI - 10.1002/bewi.19890120303
Subject(s) - humanities , art , microbiology and biotechnology , philosophy , biology
In den 1920er und 1930er Jahren entstand eine heftige Diskussion unter deutschen Genetikern, inwieweit das Zytoplasma eine wichtige Rolle bei der Vererbung spiele. Für Vertreter des sogenannten ‘Kernmonopols’ waren es lediglich die Gene in den Chromosomen des Zellkerns, die den entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung jeder Zelle hätten, während das Zytoplasma bloße Rohstoffe für die Gen‐Wirkung liefere. Für die Vertreter der ‘Plasmontheorie’ dagegen war die zeitliche und räumliche Ordnung der genbedingten Entwicklungsvorgänge ohne die regulierende Wirkung einer ganzheitlichen genetischen Struktur im Zytoplasma (‘Plasmon’) nicht denkbar. Weder die Argumente der Plasmontheoretiker noch diejenigen der Kernmonopolisten waren allein empirisch begründet; beide setzten gewisse Annahmen voraus.