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Zielgerichtetheit und Zielsetzung in Wissenschaft und Natur : Entstehen und Verdrängen teleologischer Denkweisen in den exakten Naturwissenschaften
Author(s) -
Krafft Fritz
Publication year - 1982
Publication title -
berichte zur wissenschaftsgeschichte
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.109
H-Index - 8
eISSN - 1522-2365
pISSN - 0170-6233
DOI - 10.1002/bewi.19820050108
Subject(s) - philosophy , humanities
Neben dem Unterschied zwischen einer ‚internen’ Finalität, die den Einzelprozeß deterministisch bestimmt, und einer ‚externen’ Finalität, die als allgemeine Zweckmäßigkeit die gesamte Natur durchwaltet, besteht auch ein Unterschied zwischen Zielgerichtetheit/Zweckmäßigkeit (in der Natur) und (subjektiver) Zielsetzung. Eine Wissenschaft als sprachliche Handlungsform kann demnach nur eine Zielsetzung durch den Menschen erfahren, sie entwickelt sich nicht auf ein inneres Ziel hin (ist also auch nicht von einem bestimmten Stand wie dem der Gegenwart her als Ziel zu verstehen). Eine allgemeine Zweckmäßigkeit (externe Finalität) kennt Aristoteles im Gegensatz zum christlichen Aristotelismus noch nicht, wohl aber eine ‚interne’ Finalität des natürlichen Einzelprozesses. Erst der Versuch einer christlich orientierten Umformung der aristotelischen Physik läßt die Idee einer von Gott gesetzten ‚externen’ Zweckmäßigkeit aufkommen. Auf diese Weise entsteht bei Philoponos die Impetustheorie für ‚natürliche’ Bewegungen (die für ‚gewaltsame’ Bewegungen schon seit mehreren Jahrhunderten diskutiert worden war). Die Vorstellung von der externen Finalität unterdrückte die genuin aristotelische von der ‚internen’ Finalität des Einzelprozesses, dessen streng determinierter Ablauf der Allmacht Gottes widerspreche. Dieser Verdrängungsprozeß wird am Beispiel der Theorie vom ‚horror vacui’ und des Weges von der Impetus‐Theorie zur Idee der Allgemeinen Gravitation dargestellt. Die danach dominierende Vorstellung von der ‚externen’ Finalität (als der durch Gottes Vorsehung zweckmäßig gemachten Schöpfung) geht im Laufe des 18. Jahrhunderts dann wegen der Transzendierung auf etwas Außernatürliches (Gott) deshalb verloren, weil einzelne Phänomene, die noch nicht als natürlich entstanden erklärt werden konnten und daraufhin auf Gottes weisen Ratschluß zurückgeführt wurden, nach und nach eine natürliche (kausal‐mechanische) Erklärung fanden. — Zurück bleibt eine Natur (und Naturwissenschaft) ohne Zweck, und das heißt: ohne Sinn.