Premium
Die cytomimetische organische Chemie — ein erster Bericht
Author(s) -
Menger Fredric M.,
Gabrielson Kurt D.
Publication year - 1995
Publication title -
angewandte chemie
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1521-3757
pISSN - 0044-8249
DOI - 10.1002/ange.19951071905
Subject(s) - chemistry , humanities , microbiology and biotechnology , philosophy , biology
Dieser Aufsatz beschreibt, wie ein einfaches System, die Riesenvesikel, durch chemische und physikalische Reize zu einer Vielzahl cytomimetischer Umwandlungen wie Verschmelzung, Teilung, Endocytose, Knospung (budding), Aggregation, „Gebären” (birthing) und „Fressen” angeregt werden kann. Setzt man beispielsweise eine Riesenvesikel, in deren Innerem sich eine kleine Vesikel befindet, Octylglucosid aus, so kann die kleinere Vesikel die äußere Membran durchstoßen und in das umgebende Medium austreten (Gebären, birthing). Die dabei entstehende Verletzung an der Membran der Wirtsvesikel verheilt sofort. Der Zusatz von Cholansäure löst hingegen die Futtersuche und den Freßvorgang aus, bei dem die Vesikel schnell wächst, indem sie sich die kleineren Nachbarvesikeln einverleibt. Ist die Nahrung verbraucht, zerstört sich die Riesenvesikel selbst (ein Beispiel für den natürlichen Prozeß aus Geburt, Wachstum und Tod). Diese lebensähnlichen morphologischen Veränderungen konnten mit käuflichen Chemikalien erzielt werden, d.h. diese Prozesse sind der Organischen Chemie, und nicht etwa der Biologie oder Biochemie zuzuordnen. Dieser Aufsatz beinhaltet auch experimentelle Einzelheiten, beispielsweise über die Herstellung und Beobachtung von Vesikeln, in der Hoffnung, interessierten Lesern den Einstieg in dieses noch nicht entwickelte Arbeitsgebiet zu erleichtern.