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Pharmaproteine
Author(s) -
Blohm Dietmar,
Bollschweiler Claus,
Hillen Heinz
Publication year - 1988
Publication title -
angewandte chemie
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1521-3757
pISSN - 0044-8249
DOI - 10.1002/ange.19881000204
Subject(s) - gynecology , medicine
Der Begriff Pharmaproteine steht für ein hochaktuelles Arbeitsgebiet, das sich von der Grundlagenforschung bis hin zum pharmazeutischen Markt in rasantem Wachstum befindet. Ausgangspunkt dieser Entwicklung sind Gen‐ und Biotechnologie, die zur Entdeckung neuer Proteine beitragen und es ermöglichen, sie im präparativen Maßstab herzustellen. Seit der Markteinführung des Insulins (1923), des Thyroidhormons (1934), des Faktors VIII (1948) und des Calcitonins (1970) sind Hormone, Serumproteine und Enzyme als Therapeutica fest etabliert. Immunmodulatoren und Gewebsproteine sind als neuer Ansatz in der Tumortherapie in einer stürmischen Entwicklungsphase. Diagnostica werden mehr und mehr auf Enzyme und monoklonale Antikörper umgestellt, und seit kurzem werden auch Vaccine auf Basis definierter Einzelproteine und Oligopeptide entwickelt. Von den über 200 derzeit bearbeiteten Pharmaproteinen befinden sich mehr als die Hälfte im Forschungs‐und Entwicklungsstadium, an die 100 in der klinischen Prüfung, und gut ein Dutzend hat bereits den Markt erreicht. Ihre wichtigsten Indikationsgebiete sind Herz‐Kreislauf‐, Tumor‐ und Autoimmunerkrankungen sowie Infektionen. Gen‐ und biotechnisch hergestellte Proteine können als chemisch und biologisch exakt definierte Wirkstoffe nach dem Konzept der Therapie mit „körpereigenen Proteinwirkstoffen” für neue Medikamente und in der Forschung für die Erarbeitung neuer therapeutisch nutzbarer Erkenntnisse eingesetzt werden. Die jüngste Entwicklung zeigt, daß Proteine sowohl in ihrer nativen als auch in modifizierter Form für die Wirkstofforschung eine immer größere Bedeutung erlangen.