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Reiz‐ und Abwehrstoffe höherer Pflanzen ‐ ein chemisches Herbarium
Author(s) -
Schildknecht Hermann
Publication year - 1981
Publication title -
angewandte chemie
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1521-3757
pISSN - 0044-8249
DOI - 10.1002/ange.19810930207
Subject(s) - philosophy , humanities , physics
Jedes Lebewesen ist reizbar. Es reagiert mehr oder minder empfindlich und typisch auf die verschiedensten Energieformen wie Licht, Wärme, Schwerkraft, Druck (Schall), Elektrizität ‐ und Chemikalien. Auf einen Reiz antwortet ein lebender Organismus mit Reizsubstanzen, die sich als mögliche Abwehrstoffe gegen den Angreifer richten oder dem Organismus endogen zu einem eigenen Abwehrverhalten verhelfen. Oft haben schon kleine, von der Pflanze rezipierte Energieänderungen eine Reihe von physiologischen Vorgängen zur Folge, die schließlich als Drüsenreaktion oder auch als Bewegung sichtbar werden. Die dabei wirksamen Reizstoffe sind als Abwehrstoffe beim Kontrahenten oder als endogene Faktoren im eigenen Zellverband membranaktiv. Man hat diese chemisch sehr verschiedenen niedermolekularen Wirkstoffe bereits in vielen Pflanzenteilen und bei mehreren Pflanzenfamilien gefunden. Allein deswegen könnte man von einem „chemischen Herbarium” sprechen, noch mehr aber, weil hier nicht nur, wie Teile von Pflanzen, einzelne Chemikalien im Zusammenhang gesehen werden sollen, sondern, wie ganze Pflanzen, „Stoffkollektive”, denn nur diese haben die optimale Aktivität.