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Was ist Chemische Bindung
Author(s) -
Kutzelnigg Werner
Publication year - 1973
Publication title -
angewandte chemie
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1521-3757
pISSN - 0044-8249
DOI - 10.1002/ange.19730851302
Subject(s) - chemistry , physics , stereochemistry
Das Zusammenspiel von kinetischer und potentieller Energie über die Unschärfebeziehung wird zunächst anhand einer Variationsfunktion für den Grundzustand des H‐Atoms erläutert. Zur Erklärung des physikalischen Mechanismus für das Zustandekommen der chemischen Bindung dient das H 2 + ‐Ion. Die Ausbildung der chemischen Bindung kann man in drei Teilschritte zerlegen: 1. die quasiklassische (elektrostatische) Wechselwirkung der unveränderten Elektronenladungen der getrennten Atome; 2. die Interferenz der Atomorbitale, die (im Falle positiver Interferenz) zu einer Ladungsverschiebung in die Bindungsregion und einer Erniedrigung der kinetischen Energie führt; 3. eine Deformation der Molekülorbitale zur Wiederherstellung der richtigen Bilanz von kinetischer und potentieller Energie. In einfachen Modellen kann man sich oft auf den zweiten Beitrag beschränken. Die Zweielektronenbindung ist von der Einelektronenbindung nicht grundsätzlich verschieden. In größeren Molekülen können interatomare Beiträge großer und kleiner Reichweite zur chemischen Bindung unterschieden werden. Wenn die erstgenannten klein sind, nämlich bei Molekülen mit unpolaren Bindungen, kann eine Einelektronen‐MO‐Theorie gerechtfertigt werden. Zum Abschluß wird die Möglichkeit der Beschreibung von Molekülen durch lokalisierte Bindungen diskutiert.