Weder Schlaraffenland noch Fata Morgana: Das Königreich Saudi-Arabien und die Fühlungnahme mit der Bundesrepublik Deutschland im Herbst 1952
Author(s) -
Herbert Elzer
Publication year - 2012
Publication title -
historisch-politische mitteilungen
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 2194-4040
pISSN - 0943-691X
DOI - 10.7788/hpm.2012.19.1.47
Subject(s) - political science , humanities , library science , art , computer science
Der „arabische Fruhling“ des Jahres 2011 ist zum geflugelten Wort geworden. Im Jahre 1952 gab es dagegen einen deutsch-arabischen Herbst. Das traditionell gute Verhaltnis Deutschlands zur arabischen Welt stand infolge des deutsch-israelischen Vertrages vor einer Belastungsprobe. Bonn erachtete Wiedergutmachungsleistungen an Israel als unverzichtbar, um in der Staatengemeinschaft Akzeptanz finden und sich glaubhaft von den Untaten des Dritten Reiches distanzieren zu konnen. Am 10. September 1952 schloss die Bundesregierung den Luxemburger Vertrag mit Israel und der Jewish Claims Conference uber deutsche Warenlieferungen im Werte von 3 Mrd. bzw. 450 Mio. DM. Die arabischen Lander befanden sich seit 1948 im Krieg mit Israel und sahen darin eine Starkung des Feindes. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen der Bundesrepublik zu den arabischen Staaten schien plotzlich in Frage gestellt. Im September/Oktober 1952 verbreitete sich das Gerucht eines moglichen arabischen Boykotts gegen deutsche Firmen. Die Bundesrepublik Deutschland erreichte dank der Vertrage mit den Westalliierten vom Mai 1952 einen Durchbruch im Hinblick auf ihre kunftige Souveranitat und militarische Sicherheit. Das bedeutete in Bezug auf den Nahen Osten langst noch keine Verminderung der notigen Rucksichtnahme auf die dort prasenten Siegermachte USA, Grosbritannien und Frankreich und lies ausenpolitische Behutsamkeit geraten erscheinen. Allerdings setzte die Bundesregierung seit 1951 auf Expansion im Ausenhandel. Das Auswartige Amt befand sich im Neuaufbau, was fur den deutschen Export mangels diplomatischer Vertretungen im Vorderen Orient gravierende Schwierigkeiten mit sich brachte.1 Die junge Bundesrepublik konnte auf das Entgegenkommen der traditionell deutschfreundlichen Lander der Levante rechnen und ihren Bedarf an Lebensmitteln und Rohstoffen nicht zuletzt dort decken. Der Nahe Osten wiederum brauchte deutsche Fertigwaren, was der Suche der Bundesrepublik nach neuen Absatzmarkten zupass kam. Das Abkommen mit Israel beeintrachtigte diese Aussichten, zumal die Westmachte als okonomische Rivalen wenig Anlass zu wohlwollender Unterstutzung hatten und deutsche Avancen gegenuber den Arabern misstrauisch beobachteten.
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