Das Scheitern „kultureller Demobilisierung“ nach dem Ersten Weltkrieg: die Ruhrkrise 1923
Author(s) -
Benjamin Schulte
Publication year - 2012
Publication title -
historisch-politische mitteilungen
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 2194-4040
pISSN - 0943-691X
DOI - 10.7788/hpm.2012.19.1.109
Subject(s) - download , art , political science , computer science , world wide web
Am 11. November 1918 schwiegen zum ersten Mal seit mehr als vier Jahren Krieg in Europa die Waffen und im darauffolgenden Jahr unterzeichnete die deutsche Delegation den Versailler Vertrag. Dennoch blieben Frieden und Gewaltlosigkeit fur einen Grosteil der Republik aus. Betrachtet man allein die Zeit zwischen dem „Traumland der Waffenstillstandsperiode“1 und der Demission Gustav Stresemanns als Reichskanzler Ende 1923 wird augenscheinlich, dass von einer friedlichen Nachkriegsordnung auch funf Jahre nach Ende der offiziellen Kampfhandlungen des Ersten Weltkrieges keine Rede sein konnte. Die Zeit war vielmehr gepragt durch das zahe Ringen in Versailles, die ebenso kontroversen wie konflikttrachtigen Verhandlungen bezuglich der Reparationsfrage, die Hyperinflation sowie letztlich die Ruhrbesetzung als Auftakt zum Krisenjahr 1923. Die Eskalation der Ruhrkrise von 1923 brachte die ehemaligen Kombattanten des Ersten Weltkrieges an den Rand eines neuen Waffenganges und verdeutlicht, dass keineswegs Frieden in die europaische Staatenwelt eingekehrt war.2 Sicherlich ist die Feststellung zutreffend, dass „in gewissem Sinne [...] das Kraftemessen des Weltkriegs erst 1923 zu Ende [ging]“3, jedoch muss daruber hinaus nach den Ursachen und Grunden fur diese Verweigerung des Friedens und die Verlangerung der Konfliktsituation gefragt werden. Denn auch wenn der Krieg auf den europaischen Schlachtfeldern beendet war, so endete er fur wesentliche Teile der Weimarer Gesellschaft weder mit dem Friedensschluss von Versailles, noch verschwand er ganzlich aus dem Alltag oder den Kopfen der Menschen.4
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