Nichtwissen lenken
Author(s) -
Monika Kurath
Publication year - 2016
Publication title -
nomos verlagsgesellschaft mbh and co. kg ebooks
Language(s) - German
Resource type - Book series
DOI - 10.5771/9783845279695
Subject(s) - political science , humanities , philosophy
Ausgangslage dieser Arbeit ist die These, dass nichtintendiertes Nichtwissen in aktuellen technowissenschaftlichen Diskursen eine neue und zentrale Aufmerksamkeit erhalt und damit verknupft, eine wissenschafts- und politikubergreifende Notwendigkeit zum Eingreifen abgeleitet wird. Dies steht im Gegensatz zu fruheren Diskursen in welchen Nichtwissen meist ignoriert oder als ‚Restrisiko’ ausgeblendet worden ist. Am Beispiel des Nanotechnologiediskurses in Deutschland, Grossbritannien, den Vereinigten Staaten und auf der Ebene der Europaischen Union zeigt diese wissenssoziologische Diskursanalyse, dass der neue Fokus auf Nichtwissen und die daraus abgeleitete Notwendigkeit zum Eingreifen oder zum Lenken darauf abzielt, Nichtwissen definierbar, kalkulierbar und regulierbar zu machen. Dies geschieht mittels dreier zentraler Strategien: 1) dem Abschatzen, 2) dem Regulieren und 3) der Partizipation. Wie diese Studie am Fall des mit der Nanotechnologie verbundenen Nichtwissens aufzeigt, lassen sich diese Strategien mit drei gesellschaftlichen Phanomenen in Verbindung bringen; mit der gesellschaftlichen Distribution von Expertise, der Verschmelzung von entscheidungsrelevanten Wissensformen und mit der Auflosung von institutionenspezifischen Handlungspraktiken. Dabei, so die Folgerung dieser Studie, nimmt das Nichtwissen zu und bleibt trotz den intensiven gesamtgesellschaftlichen Bestrebungen weder lenkbar noch fassbar und es entsteht ein Zustand maximaler Gestaltungsoffenheit und minimaler Verbindlichkeit.
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