Ontologiegestütze geisteswissenschaftliche Annotationen mit dem OWLnotator
Author(s) -
Giuseppe Abrami,
Alexander Mehler,
Susanne Zeunert
Publication year - 2015
Language(s) - German
DOI - 10.5281/zenodo.4623393
Begriffe wie Annotationen, Relationen, Ontologien und Inferenz begegnen uns in allen Projekten, die sich mit der (geistes)wissenschaftlichen Erschließung von Korpora beschäftigen. Hierbei werden die Korpora mit den entsprechenden Annotationen des Anwendungsgebiets versehen, um auf dieser Grundlage Forschungsfragen zu beantworten. Annotationen sind ein wichtiges Mittel in der Analyse von Korpora; allerdings entwickeln die meisten Projekte ihre eigenen Strukturen und Formen der Annotations-Abbildung und -Verwaltung. Am Anfang der Digital Humanities wurden Annotations-Schemata teilweise fest codiert. Nunmehr werden vermehrt Beschreibungssprachen wie RDF Schema (RDFS) und die Web Ontologie Language (OWL)1 eingesetzt. Da uns Ontologien flexible Annotationsmöglichkeiten bieten, jedoch die permanente Wartung und Anpassung von Software durch Informatiker auf lange Sicht keine effiziente Lösung ist, wurde in unserem interdisziplinären Projekt, gefördert durch LOEWE2, zur inhaltlichen Erschließung der Illustrationen zu Goethes Faust der OWLnotator, ein ontologiebasiertes Annotationswerkzeug zur Erstellung und Analyse von Intraund Intermedialen Relationen entwickelt. Dank der flexiblen Annotationsmöglichkeiten des OWLnotators können Geisteswissenschaftler durch das Erstellen von eigenen Ontologien sehr schnell und einfach ontologiegestützt Annotationen im Einzeloder Batch-Betrieb erstellen, ändern oder löschen. Ein digitalisiertes Korpus von 2 500 Faustillustrationen bildet die Grundlage für die semantische Erschließung durch eine kunsthistorische Ontologie. Auf dieser Basis demonstrieren wir im Full-Paper die interund intramedialen Relationen zwischen dem Faust-Text und den dazugehörigen Bildern im OWLnotator. Das Korpus der Illustrationen zu Goethes Faust ist hierbei für diese Untersuchung in besonderer Weise geeignet, da einige Illustrationen Bildinhalte haben, welche im Text nicht erwähnt oder beschrieben wurden. Für eine hinreichend aussagekräftige inhaltliche Erschließung der Bildbestände ist es notwenig, die Bilder detailliert zu beschreiben. Dafür werden die Bilder segmentiert (cf. Abrami, Freiberg und Warner 2012) und detailliert annotiert. Zur Korpusverwaltung wird die ImageDB, ein Tool des eHumanities Desktop (Gleim, Mehler und Ernst 2012), verwendet, welche die Bildsegmentierung durchführt und als Annotation mittels des OWLnotators speichert. Der eHumanities Desktop ist eine plattformunabhängige, browserbasierte, flexible und skalierbare virtuelle Forschungsumgebung für Geisteswissenschaftler welche neben den genannten Tools weitere Werkzeuge zur Verwaltung, Analyse und Aufbereitung von Textund Bild-Korpora wie auch von Lexika umfasst. An den Korpora und den Annotationen können mehrere Forscher, in einer Arbeitsgruppe oder darüber hinaus, gleichzeitig arbeiten und je nach Forschungsschwerpunkt und Fragestellungen die annotierten Elemente entsprechend der gewünschten ontologischen Betrachtungsweise auswerten. Hierzu müssen die Forscher nur eine eigene Ontologie erstellen und diese im OWLnotator anwenden. Der OWLnotator kann jede syntaktisch gültige Ontologie nutzen und dank der in der Web Ontology Languge spezifizierten Möglichkeiten der Klassenund Relationsvererbung sowie der darin enthaltenen Inferenz-Methoden zur inhaltlichen Analyse des Korpus eingesetzt werden. Dank dieses ausdrucksmächtigen Werkzeugs sind wir künftig in der Lage, semantische Wissensnetzwerke sehr schnell und einfach aufzubauen und diese mit der Forschungsgemeinschaft zu teilen. Unser Ziel ist es, durch den Einsatz von ontologischen Annotationen auf der Grundlage von OWL ein austauschbares Wissensnetzwerk zu generieren, welches unabhängig von der Software eingesetzt werden kann. Voraussetzung ist natürlich, dass die Software Ontologien lesen, interpretieren und verwalten kann, wie dies
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