Lithiumintoxikation: kleines Kation, grosse Wirkung – gerade im Alter
Author(s) -
Irene Scholz,
Sarah Banholzer,
Hugo Kupferschmidt,
Manuel Haschke
Publication year - 2018
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2018.03300
Subject(s) - chemistry
Eine 85-jährige Patientin stellte sich notfallmässig mit allgemeiner Schwäche, wässriger Diarrhoe und Inappetenz vor. Diese Symptome bestanden seit zirka einer Woche. Etwa zehn Tage zuvor waren erstmals ein Tremor der rechten Hand sowie Sprachstörungen aufgefallen. Drei Medikamente waren in den letzten Wochen bei der Patientin neu verordnet worden: Amilorid/Hydrochlorothiazid (Comilorid-Mepha®) zur Behandlung passagerer Beinödeme, Etoricoxib (Arcoxia®) als Schmerztherapie bei Kniearthrose und Propranolol (Inderal®) zur Behandlung des Tremors. Zusätzlich zur neuen Medikation wies die Patientin eine Dauermedikation mit Irbesartan (Aprovel®), Isosorbit Dinitrat (Isoket® ret.), Phenprocoumon (Marcoumar®) und Pravastatin (Pravastatin Helvepharm) auf. Seit ungefähr zehn Jahren wurde die Patientin zudem im Rahmen einer Depression mit Lithiumsulfat (Lithiofor®) 660 mg einmal täglich behandelt. Klinisch präsentierte sich die Patientin in leicht reduziertem Allgemeinzustand mit Zeichen einer Exsikkose (trockene Schleimhäute, trockene Lippen). Die Patientin war bei Eintritt kardiopulmonal stabil sowie neurologisch unauffällig ohne Tremor oder Dysarthriezeichen. Laborchemisch konnten eine mittelgradige Niereninsuffizienz (eGFR 35 ml/min), ein INR von 3,8 und ein Lithiumspiegel von 2,10 mmol/l nachgewiesen werden. Das EKG zeigte keinen auffälligen Befund. Die zur Hospitalisation führende Symptomatik wurde als beginnende mittelschwere Lithiumintoxikation bei eingeschränkter Nierenfunktion interpretiert und die Patientin zur weiteren Überwachung und Therapie stationär aufgenommen. Alle Medikamente wurden bei Aufnahme vorerst pausiert. Nach Hydrierung und bei pausiertem Lithium zeigte sich am zweiten Hospitalisationstag ein normwertiger Lithiumspiegel. Unter abgesetzter diuretischer Therapie sowie hydrierenden Massnahmen kam es zu einer Erholung der Nierenfunktion. Bei kompletter Regredienz der Symptomatik wurde die Medikation mit Lithium am dritten Hospitalisationstag wieder begonnen, wobei im Verlauf ein normwertiger Lithiumspiegel (0,88 mmol/l) dokumentiert werden konnte. Die Patientin konnte in gebessertem Allgemeinzustand am sechsten Hospitalisationstag aus dem Spital nach Hause entlassen werden.
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