Urologie: Wird die Qualität urologischer Operationen künftig von Laien aus Internetforen beurteilt?
Author(s) -
Michael Müntener
Publication year - 2015
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2015.02545
Subject(s) - humanities , medicine , philosophy
Qualitätsmessung in der Medizin ist ebenso schwierig wie erwünscht. Im Vergleich zu den Auflagen, die Medizinalprodukte (insbesondere Medikamente) erfüllen müssen, um auf den Markt zu kommen, wird die Qualität von uns Ärzten als Anwender resp. Verschreiber wenig überwacht. Insbesondere findet nach Erhalt eines operativen Facharztoder Schwerpunkttitels kaum mehr strukturierte Fortbildung im chirurgischpraktischen Bereich statt. Der Ruf nach besseren und gegebenenfalls transparenteren Qualitätskontrollen, vor allem in operativen Disziplinen, ist daher verständlich und legitim. Wie diese Qualitätssicherung aller dings im Detail auszusehen hat, um ihr Ziel zu erreichen, ist weitgehend unklar. Eine sehr simple und in der Schweiz bereits teilweise umgesetzte Massnahme ist die Forderung von Mindestfallzahlen pro Jahr für spezifische Operationen. Auch in der Chirurgie macht Übung den Meister, und insbesondere bei komplexen Eingriffen ist die Routine des Operateurs und seines Umfelds teilweise entscheidend für den Erfolg [1]. Institutionsbezogene Mindestfallzahlen berücksichtigen die allfällige «Verdünnung» dieser Zahl durch viele an einer Institution beschäftigte Operateure allerdings nicht. Zudem gibt es sicherlich Operateure, die mit 10 Fällen bessere Resultate erzielen als andere Kollegen mit 50 (allerdings wäre der talentiertere Chirurg höchstwahrscheinlich noch besser, wenn auch er 50 Fälle pro Jahr operieren könnte). Wesentlich zielführender wäre also, wenn die Qualität einer Operation direkt beurteilt werden könnte. Die Qualität einer Operation ist hoch, wenn bei möglichst geringer perioperativer Morbidität das gewünschte Ergebnis (z.B. Tumorkontrolle, funktionelle Resultate wie Kontinenzerhalt usw.) möglichst vollständig erreicht wird. Naheliegend und sicherlich nicht falsch wäre daher eine entsprechende Outcome-Messung. Die Schwierigkeit dabei ist allerdings, dass die Patientenselektion einen grossen Einfluss auf wesentliche Outcome-Parameter hat. So werden sehr guten Operateuren zum Teil überproportional viele schwere, fast hoffnungslose Fälle zugewiesen, bei denen das Resultat auch bei optimaler Versorgung unterdurchschnittlich bleiben wird. Das Bild wird also potentiell stark zu Ungunsten dieser Chirurgen verzerrt.
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