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«Less is more» oder: Könnten wir unseren Patienten Untersuchungen oder Behandlungen ersparen?
Author(s) -
Nicolas Rodondi
Publication year - 2013
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2013.01480
Subject(s) - psychology , philosophy
Wie kann es passieren, dass eine 52-jährige Krankenschwester mit bei der Palpation reproduzierbaren Thoraxschmerzen am Ende eine Herztransplantation über sich ergehen lassen muss, weil ihr Arzt, um sie zu beruhigen, ein Herz-CT hat durchführen lassen [1]? Sicher ein extremes Beispiel einer Verkettung unglücklicher Ereignisse (Verletzung der Aorta bei der Koronarographie, notfallmässige Operation mit Komplikationen). Trotzdem bleibt es eine Tatsache, dass ein Teil der Gesundheitskosten für Untersuchungen und Behandlungen ausgegeben wird, die nicht zur Verbesserung der Pro gnose der Patienten beitragen [2–4]. Das könnte teilweise erklären, dass beispielsweise Holland mit seiner stark ausgebauten Grundversorgung bei der Qualität der Gesundheitsversorgung an erster Stelle steht, obschon es nur halb so viel ausgibt wie die USA. Warum tragen manche Untersuchungen nicht zu besserer Patientengesundheit bei oder schaden sogar? Bei der Indikationsstellung für eine Untersuchung darf nicht nur der Gewinn dank Früherfassung oder Diagnosestellung berücksichtigt werden, sondern es müssen sämtliche Konsequenzen der verschiedenen möglichen Resultate im Auge behalten werden. Beispielsweise findet sich im Belastungs-EKG bei einem beschwerdefreien Patienten häufiger ein falsch als richtig positiver Befund. Bei asymptomatischen Patienten liegt die Prävalenz der koronaren Herzkrankheit bei 5 bis 25%, was zu einem schlechten positiven Vorhersagewert führt (6–48%) [5] mit entsprechend sehr geringer Wahrscheinlichkeit, eine therapeutisch beeinflussbare Koronarerkrankung festzustellen (0,5%)! Übrigens konnte man in der einzigen randomisierten Studie zur Früherfassung der asymptomatischen Koronarerkrankung bei Diabetikern keine Verbesserung der Prognose finden, zumindest bei gut kontrollierten Risikofaktoren [6]. Ein wirklich nützlicher Test muss nicht nur zur Diagnosestellung beitragen, sondern auch zur Verbesserung von Behandlung und Prognose des Patienten.

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