Der Einfluss einer genetischen Beratung bei Diabetesrisiko
Author(s) -
Gérard Waeber
Publication year - 2013
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2013.01455
Subject(s) - political science
Es gibt viele Scores mithilfe derer das Diabetesrisiko einer Person beurteilt werden kann. Diese beinhalten klinische und biologische Variablen und wurden an ver schiedenen Bevölkerungsgruppen oder Risikopopula tionen getestet. Mit einem erhöhten Diabetesrisiko sind zahlreiche Variablen assoziiert: das Körpergewicht, eine positive Familienanamnese in Bezug auf Diabetes, ein hoher arterieller Blutdruck, ein niedriger HDLCholes terinspiegel etc. Diese Scores sind jedoch wenig aussage kräftig, gleich ob sie sich ausschliesslich an klinischen Faktoren oder an manchmal mit komplizierten Verfahren bestimmten biologischen Markern wie zirkulierenden Zytokinen orientieren [1–3]. Seit neuestem werden Gentests angeboten, um Personen mit Diabetesrisiko zu identifizieren. Einige der dabei verwendeten Marker haben sich als sinnvoll bei der Vorhersage des Ansprechens auf Medikamente (z.B. Met formin) bzw. der Entscheidung über den Beginn einer Insulintherapie bei Diabetikern erwiesen [4]. Dennoch ist eine genetische Prognose des Diabetesrisikos heute eindeutig nicht angebracht und kaum aussagekräftig [5]. Der Vorteil einer genetischen Risikobeurteilung be stünde darin, dass man diese theoretisch sehr früh im Leben vornehmen und so frühzeitig entsprechende Prä ventionsmassnahmen ergreifen könnte. Diese Hypothese wurde von einem Team unter der Lei tung von James B. Meigs und Richard W. Grant von der Harvard Medical School überprüft [6]. Dazu wurde eine randomisierte Studie über den Einfluss einer genetischen Beratung bei Personen mit hohem Diabetesrisiko durch geführt. Bei den Patienten wurden 36 mit Diabetes as soziierte genetische Marker bestimmt. Ferner erhielten die Patienten durch die Teilnahme an einem Programm zur Gewichtsreduktion und Ernährungsumstellung die Möglichkeit zur aktiven Prävention. Beim Vergleich der Personen mit hohem bzw. niedrigem genetischen Dia betesrisiko konnten die Autoren bezüglich der allgemei nen Motivation zur Teilnahme an dem Programm und zur Gewichtsreduktion keinerlei Unterschiede feststellen. Auch wenn die Studiendauer gering war, konnte ein deutig bewiesen werden, dass die Kenntnis des geneti schen Profils die Bereitschaft der Patienten zur Verän derung des Lebensstils nicht beeinflusste. Dies ist enttäuschend, sollte uns jedoch nichtsdestotrotz dazu ermutigen, all unseren Patienten weiterhin Folgen des zu vermitteln: Tatsächlich sind es Gewichtszunahme und körperliche Inaktivität, die sich am stärksten auf das Risiko auswirken, einen Diabetes zu entwickeln. Die Kenntnis des genetischen Profils scheint keinerlei Einfluss auf die Motivation zur Veränderung des Lebens stils zu haben. Ausserdem sollte man bedenken, dass die Familienanamnese heutzutage weitestgehend so aus sagekräftig ist wie jeder beliebige Gentest zur Vorher sage des Diabetesrisikos. Und endlich gelten noch immer die allgemein bekannten Gesundheitsratschläge: nicht rauchen, sich bewegen und Gewichtszunahme vermei den!
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