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Die Kraft der zwei Herzen
Author(s) -
L Leoni,
Sulser
Publication year - 2012
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2012.07789
Subject(s) - art , philosophy
«Das externe Herz steht still!» So lautete die Alarmmeldung von der Einsatzzentrale der REGA. Beim Eintreffen am Einsatzort übernahmen wir eine 25-jährige Patientin, die soeben unter Medikation mit Etomidat und Succinylcholin intubiert worden war. Die rechte Kammer des «externen Herzens» war an die aktiv bediente Handpumpe und die linke noch an der aktiven, mobilen Antriebseinheit angeschlossen, wobei sich, wie durch das Kammerfenster zu erkennen war, aufgrund sich nicht normal bewegender Membranen eine Dysfunktion erahnen liess. Klinisch ergaben sich eine pulslose elektrische Aktivität mit bradykardem Breitkomplexrhythmus sowie das Bild eines Lungenödems. Die Patientin hatte die kardiotechnische Hotline des UniversitätsSpitals Zürich (USZ) angerufen und Atemnot, Unwohlsein sowie eine Alarmmeldung «inadäquate Ventrikelfüllung» auf der mobilen Antriebseinheit angegeben. Die nachfolgend alarmierten Rettungskräfte kuppelten dann unter telefonischer Rücksprache mit der Kardiotechnik den Pneumatikschlauch der rechten Kammer vom mobilen Antriebssystem auf die Handpumpe um. Im Verlauf verlor die zuvor adäquate Patientin das Bewusstsein, weshalb sie intubiert wurde. Formal hätte die Patientin pharmako-mechanisch reanimiert werden müssen, zumal es sich um ein Pumpsystem mit pulsatilem und nicht kontinuierlichem Flow handelte. Aufgrund der speziellen Situation stellte sich die Frage, ob der Thorax mit solchen bis nach intrakardial reichenden Kanülen komprimiert werden könne, ohne diese zu dislozieren. Aufgrund minimer Augenlidwie auch Bulbusbewegungen und der unklaren Situation entschied man sich gegen eine mechanische Reanimation mit der Überlegung, dass offensichtlich noch eine gewisse zerebrale Perfusion vorliege. Dies einerseits durch eine minimale Pumpfunktion des «externen Herzens» und/oder anderseits durch die kardiale Restfunktion. Auf eine medikamentöse Reanimation wurde ebenfalls verzichtet, um nicht den Afterload zu erhöhen, worunter sich die schwer eingeschränkte linksventrikuläre Funktion wahrscheinlich verschlechtert hätte. Nach Ankunft im USZ wurde in Rücksprache mit dem anwesenden Kardiotechniker nun doch mit der Thoraxkompression begonnen und die beiden Kammern an eine neue Antriebseinheit angeschlossen. Nach 25-minütiger mechanischer Reanimation, Auswechslung der Kammern, Volumensubstitution mit 4 Erythrozytenkonzentraten und 1500 ml Kolloiden sowie Verabreichung von 25000 IE Heparin i.v. als Bolus bei echokardiographisch nachgewiesenem Thrombus im Bereich der rechten Vorhofskanüle konnte die Patientin mit stabiler Hämodynamik und wieder normal funktionierendem System auf die Intensivstation verlegt werden. Nach neuntägigem Aufenthalt und einem Multiorgandysfunktionssyndrom konnte die Patientin 6 Wochen später nach Urgent-Listung orthotop herztransplantiert werden und zeigte einen erfreulichen Verlauf. Insbesondere hatte sie nach einem Jahr ausser einer Dysästhesie und einem minimen motorischen Defizit in den Digiti IV und V der rechten Hand keine neurologischen Ausfälle.

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