Neurologie: Als Teil des Ganzen oder gegen das Ganze?
Author(s) -
Kaspar Schindler
Publication year - 2012
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2012.01341
Subject(s) - philosophy
Epilepsien gehören zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen und betreffen in der Schweiz rund 80 000 Personen. Gemäss der neuen Definition sind Epi lepsien charakterisiert durch mindestens einen Anfall und die anhaltende Prädisposition zur Entstehung weite rer Anfälle [1]. Epileptische Anfälle sind gefährlich, und ihre Unvorhersagbarkeit schränkt die Lebensqualität er heblich ein. Deshalb ist das Ziel der Therapie die Anfalls freiheit ohne für den Betroffenen unzumutbare Neben wirkungen, erreicht durch Medikamente und/oder durch resektive oder neuromodulierende chirurgische Verfah ren [2]. Der Begriff des «Anfalls» ist in der Epileptologie zentral. Aber – was ist eigentlich ein epileptischer Anfall? Die In ternationale Liga gegen Epilepsie definiert epileptische Anfälle als «das vorübergehende Auftreten von krank haften Befunden und/oder Symptomen aufgrund einer pathologisch exzessiven oder synchronen neuronalen Aktivität im Gehirn» [1]. Diese Definition ist sehr allge mein gehalten – lässt dadurch aber auch Raum für die Berücksichtigung neuer Erkenntnisse. Kürzlich durch geführte Studien haben gezeigt, dass insbesondere die vertiefte Analyse der während epileptischer Anfälle auf tretenden Synchronisation neuronaler Aktivität zu einem besseren Verständnis der Pathophysiologie beitragen kann [3]. Zwei Aspekte sind dabei besonders wichtig: 1. Synchronisation tritt immer zwischen mindestens zwei unterscheidbaren Teilen auf, sie ist also eine Form von Interaktion. 2. Synchronisation hängt auch vom Betrachtungsmass stab ab. Teile können zum Beispiel lokal, das heisst über kurze Distanzen, synchronisiert sein und gleich zeitig global, das heisst über lange Reichweiten, desynchronisiert sein. Die Analyse interagierender Teile und der daraus resul tierenden Gesamtheit führen zum Konzept des «Sys tems». Im Folgenden soll gezeigt werden, dass die Sys temperspektive epileptischer Anfälle neue wichtige Einsichten ermöglicht.
Accelerating Research
Robert Robinson Avenue,
Oxford Science Park, Oxford
OX4 4GP, United Kingdom
Address
John Eccles HouseRobert Robinson Avenue,
Oxford Science Park, Oxford
OX4 4GP, United Kingdom