Erblindung durch Netzhautdegenerationen: Mechanismen und Schutz
Author(s) -
Christian Grimm
Publication year - 2012
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2012.01280
Subject(s) - philosophy
Die Netzhaut ist das lichtabsorbierende Gewebe im Auge. Sie ist aus drei neuronalen Zellschichten aufgebaut, die an der Verarbeitung des Lichtsignals beteiligt sind. Die Photorezeptoren (Zapfen und Stäbchen) in der äussersten Schicht nehmen das Licht auf und generieren ein Signal, das durch die Neuronen der nächsten Schicht moduliert und an die Ganglienzellen in der innersten Schicht weitergegeben wird. Die Ganglienzellen leiten das Signal durch den optischen Nerv an den visuellen Kortex im Gehirn weiter, wo die weitere Signalverarbeitung stattfindet. Eine gute Sehkraft verlangt das reibungslose Funktionieren aller am Sehprozess beteiligten Zellen und Moleküle. Erblindungserkrankungen werden denn auch häufig durch das Absterben einzelner Zelltypen, insbesondere von Photorezeptoren oder Ganglienzellen, verursacht. Unser Labor beschäftigt sich hauptsächlich mit zwei Gruppen von Erkrankungen: der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) und der Retinitis pigmentosa (RP). Bei der AMD sterben die Photorezeptoren in der Makula, und es kommt zu einem zentralen Gesichtsfeldausfall. Bei der RP wird das Gesichtsfeld zunächst in der Peripherie eingeschränkt (Tunneloder Röhrenblick), bis im Endstadium meistens die totale Erblindung eintritt. Obwohl eine Erblindung durch degenerative Erkrankungen der Netzhaut für die betroffenen Patienten eine grosse Belastung darstellt und massive gesellschaftliche Konsequenzen mit sich zieht, konnte bis heute keine erfolgreiche Therapie etabliert werden. Die einzige Ausnahme bildet eine anti-VEGF-Behandlung bei der feuchten Form der AMD. Hier wird ein Antikörperfragment gegen den «vascular endothelial growth factor» intravitreal appliziert, um das Gefässwachstum einzuschränken. In den vergangenen Jahren hat aber die Forschung insbesondere auch in der Ophthalmologie signifikante Fortschritte erzielt, so dass für einzelne Erblindungserkrankungen zumindest mittelfristig neue Therapien erhältlich sein werden. Dazu gehören vor allem Gentherapie und neuroprotektive Behandlungen. Aber auch Sehprothesen, Stammzellen und das Gebiet der Optogenetik versprechen Lösungsansätze in absehbarer Zukunft.
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