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Ersatz von Rotwein als Lebenselixier?
Author(s) -
Reto Krapf
Publication year - 2012
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2012.01144
Subject(s) - political science
Dem Konsum von Rotwein wird – vor allem auch im Ver gleich mit anderen Genussalkoholika – ein gesundheits fördernder, wenn nicht gar lebensverlängernder Effekt zugeschrieben. Als verantwortliche Substanz wurde vor einigen Jahren das in der Traubenhaut vorkom mende Resveratrol identifiziert. Leider müssten wir aber, unter der Annahme einer Äquivalenzdosis zum Tier versuch, viele Liter Rotwein pro Tag konsumieren, um die entsprechende Dosis einzunehmen. Auch unabhän gig davon ist die Empfehlung des Rotweinkonsums unter der Annahme der Gesundheitsförderung sehr zweifel haft, da sie viele Alkoholkranke oder die noch viel grös sere Zahl von Risikotrinkern in falsche Sicherheit oder gar in eine selbsttäuschende Verführung leiten dürfte. Also Resveratrol mit weniger oder ohne Rotwein? Man hat erfolgreich versucht, Rotweintrauben genetisch zu mutieren, um eine Weinsorte mit höherer Resveratrol Konzentration zu züchten, wobei mir allerdings die ge schmacklichen Qualitäten dieses Rebensaftes nicht be kannt sind [1]. Im Internet kann man zudem die «reine» (?) Substanz kaufen.1 Wie wirkt denn Resveratrol? Im Zentrum der Diskussion steht seit langer Zeit die Beobachtung, dass Resveratrol die positiven Effekte der Kalorienrestriktion auf die Le benszeit von Einzellern (Hefen) und auf die Verzögerung der Alterung und Verbesserung metabolischer Parameter bei Säugetieren (Mäusen) zu imitieren scheint. Die Kalo rienrestriktion aktiviert (unter anderem!) das SIRT1 (das menschliche Homolog der Sirtuine). Sirtuine modu lieren durch DeAzetylierung eine Reihe von Genproduk ten und beeinflussen dadurch die replikative Seneszenz, Entzündungsaktivität, Stressresistenz und eine Reihe von metabolischen Schaltstellen im Kohlehydrat und Fett stoffwechsel. Sirtuine werden bereits in grossem Stil von der kosmetischen Industrie in Produkte zur Verzöge rung der Hautalterung eingebracht. Zusätzlich ist eine kompetitive Forschung in Gang gekommen, welche nach einfach zu verabreichenden, kleinen Molekülen sucht, die SIRT1 aktivieren können [2]. Dass eine direkte Aktivierung von SIRT1 durch solche Substanzen schwierig sein könnte, zeigt aber eine eben erschienene Studie zum Wirkungsmechanismus von Resveratrol, dem «red wine chemical» [3]. Resveratrol aktiviert in der Tat das SIRT1, aber eben auf komple xerem und indirektem Weg. Interessanterweise geht der Weg über eine Hemmung von Phosphodiesterasen und konsekutiv Veränderungen des intrazellulären cAMP. Von den Phosphodiesterasen gibt es eine Reihe von Iso enzymen, für fast alle von diesen gibt es auch Hemm substanzen. Nichtselektive Hemmer sind die seit langem bekannten und verwendeten Methylxanthine (Theo phyllin, Koffein). In den letzten 20 Jahren sind selektive Hemmer wie Sildenafil und verwandte Substanzen zur Behandlung der erektilen Dysfunktion (Phosphodieste rase5Inhibitoren) und Rolipram und weitere Substan zen (Phosphodiesterase4Inhibitoren) dazugekommen. Letztere stehen in der klinischen Evaluation zur Behand lung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen. Im inkriminierten Wirkmechanismus von Resveratrol scheint vorab die Phosphodiesterase4 eine wichtige Rolle zu spielen. Somit sind wir am Anfang eines interessanten Weges, wie die ResveratrolWirkung ohne die alkoholische Neben wirkung imitiert werden könnte. Die bereits vorhandene Erfahrung mit den PhosphodiesteraseInhibitoren dürfte dabei helfen. Bleibt nur noch, wie immer bei «research in progress», vor übertriebenen Hoffnungen auf eine Wunderdroge zu warnen. Altersvorgänge und die Lebens

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