Die psychotische Erstepisode: eine besondere differentialdiagnostische und therapeutische Herausforderung.
Author(s) -
Andor E. Simon,
Anastasia Theodoridou,
Roland Schneider,
Philippe Conus
Publication year - 2012
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2012.01129
Subject(s) - medicine
In den letzten 15 Jahren hat sich die frühzeitige Erken nung und Behandlung von psychotischen Störungen zu einem intensiven Forschungsbereich der Psychiatrie entwickelt. Damit erfolgt parallel zu Bestrebungen in zahlreichen Disziplinen der somatischen Medizin in der Psychiatrie der Versuch, mit den Psychosen eine Gruppe von schwerwiegenden psychiatrischen Erkrankungen so frühzeitig zu erkennen, dass die Chance besteht, eine Entwicklung des Vollbildes der Erkrankung abzu wenden oder zumindest den weiteren Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen. Zu den psychotischen Früh phasen – in der englischsprachigen Literatur als «early psychosis» bezeichnet – werden zwei Phasen gezählt: die sogenannte Prodromalphase und die anschliessende psychotische Erstepisode [1]. Der Begriff Prodromal phase kann jedoch per definitionem nur retrospektiv angewandt werden, wenn sich eine psychotische Erst episode bereits tatsächlich entwickelt hat. Prospektiv werden hierfür in der Literatur Begriffe wie «at-risk mental state» oder «clinical high risk» verwendet [1]. Entsprechend den zwei Phasen der «early psychosis» liegt auch der Schwerpunkt von Klinikern und Forschern auf diesem Gebiet nicht selten entweder auf der Prodro malphase oder aber auf der psychotischen Erstepisode. Ein Hauptgewicht der Forschung zur Früherkennung und behandlung vor der Erstepisode wird dabei vor allem auf die Identifizierung von Kriterien gelegt, die den Übergang von einem PsychoseRisikozustand in eine psychotische Erstepisode am besten voraussagen [2]. Hingegen liegt das Augenmerk bei der bereits manifesten «early psychosis», der Erstepisode, vor allem auf deren adäquater und möglichst ohne Verzögerung zu ihrem Ausbruch erfolgenden Behandlung. Im Swiss Medical Forum wurden in den letzten Jahren mehrere Publikationen über die psychotischen Früh phasen veröffentlicht. Auch diese beschäftigten sich bisher hauptsächlich mit Fragen zur Prodromalphase bzw. zum PsychoseRisikozustand [1, 3–5]. Der vorlie gende Artikel soll sich nun ausschliesslich mit der psy chotischen Erstepisode befassen und in einem ersten Teil verdeutlichen, dass auch die differentialdiagnosti sche Abklärung einer psychotischen Erstepisode eine besondere Herausforderung an Kliniker stellt und Psy chosen nicht immer nur einer der beiden grossen Hauptgruppen, schizophrenen bzw. affektiven psycho tischen Störungen, zugeordnet werden können. In einem zweiten Teil besprechen wir die entsprechenden Behand lungsmöglichkeiten und weisen abschliessend auf ein internationales Symposium hin, welches zu diesem Thema im Rahmen des Netzwerks Swiss Early Psychosis Project (SWEPP) durchgeführt werden wird.
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