Epidemiologie der Schizophrenie
Author(s) -
W Rössler
Publication year - 2011
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2011.07694
Subject(s) - psychology , philosophy
Die Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Stör ungen werden in der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) unter dem Kapitel F2 abgehandelt. Dabei handelt es sich um eine heterogene Gruppe von Diagnosen, deren wichtigste und häufigste Krankheitsgruppe die Schizophrenie darstellt. Diese Krankheitsentität wurde erstmals von Kraepelin (1896) beschrieben, der die Schizophrenie von den manisch depressiven Erkrankungen abgrenzte. Er selbst nannte dieses Krankheitsbild «Dementia praecox» unter der Vorstellung, dass die Krankheit, beginnend schon im jungen Erwachsenenalter, in einen unabänderlich zur «Verblödung» führenden Prozess einmünde. Der eigentliche Begriff der Schizophrenie wurde 1911 von Eugen Bleuler geprägt. Er sprach von der Gruppe der Schizophrenien und verdeutlichte damit, dass es sich voraussichtlich nicht um ein einziges Krankheitsbild handelt, sondern um eine Gruppe unterschiedlicher Krankheiten mit einem ähnlichen phänotypischen Ausdruck. Mehr als 100 Jahre Schizophrenieforschung haben das Rätsel dieser Erkrankung nicht lösen können. Wir betrachten heute die Schizophrenie als eine multifaktorielle Erkrankung, ähnlich wie Diabetes oder kardiovaskuläre Erkrankungen. Zweifellos hat die Schizophrenie eine ausgeprägte genetische Komponente, wobei der Ausbruch dieser Erkrankung zahlreiche Interaktionen zwischen der genetischen Vulnerabilität und der Lebensumgebung der Betroffenen beinhaltet. Die Umgebungsfaktoren reichen von intrauterinen Faktoren über Geburtskomplikationen, ungünstige Lebensbedingungen während Kindheit und Jugend bis hin zu hoch komplexen Einflussfaktoren wie «städtische Umgebung» oder Status als «Migrant». Nicht zuletzt muss erwähnt werden, dass Substanzgebrauch, insbesondere Cannabis, das Risiko einer schizophrenen Erkrankung ungefähr verdoppelt. Dieses Risiko ist vermutlich dosisabhängig, das heisst abhängig von der Gesamtmenge wie auch von der Länge des Konsums.
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