Gibt es wissenschaftliche Daten über die klinische Wirksamkeit komplementärmedizinischer Behandlungsmethoden?
Author(s) -
B Graz,
PY Rodondi,
E Bonvin
Publication year - 2011
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2011.07671
Subject(s) - psychology
Die Komplementärmedizin (KM) umfasst laut WHO ein breites Spektrum von Heilmethoden, die nicht Teil der akademischen Tradition des jeweiligen Landes und nicht in das vorherrschende Gesundheitssystem inte griert sind. Der Begriff «Komplementärmedizin», der hier verwen det wird, weil er in der Schweiz am gebräuchlichsten ist, umfasst zahlreiche weitere Bezeichnungen wie «Parallelmedizin», «sanfte Medizin», «Naturheilkunde» oder «Alternativmedizin». Letztere ergibt zusammen mit «Komplementärmedizin» die im Englischen ge bräuchliche Bezeichnung «complementary and alter native medicine» (CAM). Des Weiteren gibt es noch den derzeit aktuellsten Begriff der «integrativen Medizin»1. In den USA wird diese von den Fachleuten des National Center for Complementary and Alternative Medicine (NCCAM, das dem National Institute of Health ange hört) als Versuch definiert, konventionelle Medizin mit komplementärmedizinischen Behandlungsmethoden zu kombinieren, wenn über deren Wirksamkeit und Sicherheit qualitativ hochwertige wissenschaftliche Nachweise vorliegen. Zur näheren Einordnung der vie len hundert äusserst heterogenen Behandlungsformen, die im weitesten Sinne zur Komplementärmedizin gehören, empfiehlt sich eine Unterteilung wie in Ab bildung 1 x. Die Zuordnung einer Therapieform zu einer bestimmten Kategorie ist gelegentlich umstritten, wie beim Beispiel der Homöopathie, die einige eher als eigenständiges komplementärmedizinisches System betrachten. In einigen Fällen wird der Begriff «Komplementärme dizin» von den Anwendern bestimmter Methoden aus dem Spektrum der KM abgelehnt. Ein Grund dafür könnte die Befürchtung eines negativen Beiklangs sein, wie zum Beispiel bei der Kängurumethode für Früh geborene, die in Kolumbien erfunden wurde und trotz ihres «ursprünglichen» oder «New Age»Touchs eine moderne Entdeckung der konventionellen Medizin ist. Ein weiterer Grund könnte, wie bei der Hypnose, histo rischer Natur sein. Diese genoss im Laufe der Jahrhun derte unterschiedliches Ansehen, indem sie zunächst lediglich als Randphänomen betrachtet wurde und dann wieder eine breitere, gelegentlich sogar volksbe lustigende Anwendung fand. Hypnose kann übrigens noch aus einem anderen Grund eher als «konventionelle» oder auf jeden Fall als «inte grative» Behandlungsform betrachtet werden: Es lie gen wissenschaftliche Daten über ihre Wirksamkeit in folge eines Einbezugs in den schulmedizinischen Bereich vor. Nachdem auf der Intensivstation für Schwerverbrannte des CHUV in Lausanne die Behand lung mittels Hypnose eingeführt wurde, führte dies laut den entsprechenden Punkteskalen zu einer Reduktion der Schmerzen und der Ängstlichkeit der Patienten. Des Weiteren konnten der Einsatz von Anästhetika und die Kosten des Krankenhausaufenthalts [1] verringert werden. Aus diesem Grund gehört die Therapieform seitdem zum offiziellen Behandlungsrepertoire der Kli nik.
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