Themenheft «Kernenergie»: einige wichtige Ergänzungen
Author(s) -
M Fernex,
Nidecker
Publication year - 2011
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2011.07667
Subject(s) - erg , ophthalmology , medicine , retinal
Dass eine medizinische Publikation sich zu einem gesell schaftlichen Anliegen äussert, ist lobenswert. Sich ferner dafür zu engagieren, eine Industrie zu verteidigen, ist ebenfalls legitim, solange die Argumente auf medizini schen Fachkenntnissen der Autoren beruhen. Das Thema «Kernenergie» hat momentan Wichtigkeit, beruht ja ein Teil der Elektrizitätsproduktion auf Kernenergie, und das interessiert viele Kollegen. Um fundiert über das Thema der radioaktiven Strahlung referieren zu können, sind die biologischen, genetischen und epigenetischen Wirkungen wichtig, die von radioakti ver Strahlung ausgehen. Dazu müssten auch die patho logischen Veränderungen besprochen werden, die durch chronische Low-levelBestrahlung nach Inkorporation von Radionukliden bekannt sind. Ebenso sollte auf die künst lich erzeugten Radionuklide, wie sie in der Nuklearindus trie entstehen, hingewiesen werden. Diese treten schon im Normalbetrieb in der Umwelt stets in kleinen Mengen auf, vor allem aber bei Unfällen, und tragen dann in grossen Mengen zur Strahlenbelastung bei. In seinem Editorial erinnert Herr Krapf an die Atom katastrophe vom 11. März 2011 in Fukushima, die unter anderem auch durch ein Erdbeben von seltener Stärke verursacht wurde. Geologen vergleichen dieses Erd beben mit demjenigen von Basel aus dem Jahre 1356. Für sie ist die Zeitspanne von 600 Jahren zwischen zwei grossen Erdbeben nicht überraschend. Dazu kommt, dass Basel – und nebenbei auch das nahe gelegene AKW Fessenheim – auf einer seismischen Falte liegt, wobei die damit verbun dene Instabilität der Erdkruste auch die Ursache des grossen Basler Erdbebens war. Die Konstrukteure des AKWs Fessenheim haben seismische Risiken von 7 bis 9 auf der Richterskala, wie sie in Fukushima (und in Basel im 14. Jhdt.) beobachtet worden sind, nicht einberechnet! Herr Krapf weist im Weiteren auf den Tsunami hin, der 100 km nördlich von Fukushima durch eine Riesenwelle zu grossen Zerstörungen und Tausenden von Toten ge führt hat. Es wird so insinuiert, dass es dieser ausseror dentliche Tsunami war, der zur nuklearen Katastrophe ge führt hat. Tatsache ist jedoch, dass sich die Tsunamiwelle innerhalb einer Stunde abgebaut hat, sodass in Fukushima die Zerstörung durch den Tsu nami gering war. Dies kann aufgrund von Luftaufnahmen bestätigt werden: Häuser und Bäume in der Umgebung des AKWs sind weitgehend stehen geblieben. Aus psychologischen Gründen haben die Medien aber die Höhe der Tsunamiwelle übertrieben, um die japanische Bevölkerung zu überzeugen, dass es ein ausser ordentliches Phänomen wie einen Tsunami brauchte, um diese nationale Katastrophe zu erzeugen. Tsunamis kommen in Japan viel seltener vor als Erd beben, sodass der zeitgleich mit dem Erdbeben auftre tende Tsunami für die Betreiberfirma eine ausgezeichnete Entschuldigung bot. Auch wurde der Strahlenalarm vom Reaktor Nummer 3 schon eine Stunde vor der Ankunft der Welle ausgelöst. Der Bruch des Reaktors war somit eine Folge des Erdbebens und nicht des später eintreffenden TsunamiAusläufers. Beim Bau der Reaktoren von Fuku shima hatten die Konstrukteure seinerzeit keine Erdbeben der Stärke von 7 bis 9 mit ein kalkuliert. Dies im Gegensatz zu allen öffentlichen Gebäuden, die in Japan seit dem grossen Erdbeben von Kobe 1995 gebaut wurden. Viele Beobachter fragen sich im Weiteren, weshalb die Öf fentlichkeit drei Monate warten musste, bis die Autoritäten zugaben, dass der Kern von drei Reaktoren in den ersten Tagen bereits geschmolzen war. Die auf der ganzen Welt im Fernsehen gezeigten Bilder mit den Gebäuden in Fuku shima, wo wiederholt weisser Rauch ausgestossen wurde, wiesen klar auf Wasserstoffexplosionen, also auf eine ab laufende Kernschmelze, hin. Die radioaktive Kontamina tion der Luft, des Regen wassers, der Wohngegenden, des Bodens und der Lebensmittel wurde erst mit grosser Verzögerung kommuniziert. Unabhängige Spezialisten, wie z.B. von der französischen Organisation CRIIRAD (www.criirad.org), haben das Ausmass der radioaktiven Kontamination der Wohngegenden und Schulen schon bald nach ihrer Ankunft in Japan aufgezeigt und die Fami lien auch dar über informiert, wie sie sich vor Radioaktivi tät besser schützen können. Jakob Passweg und Mitarbeiter beschreiben in ihrem Ar tikel die Folgen therapeutischer oder unfallbedingter ex terner Bestrahlungen wie auch die Folgen der Bomben explosion über Nagasaki. Sorge bereitet heute aber in erster Linie die chronische innere Bestrahlung der Organe bei Kindern in den kontaminierten Gebieten. Hier kann Tschernobyl als Vergleich herangezogen werden. In der Region Tschernobyl und in den schwer kontami nierten Gebieten um Briansk (Russland) leidet über eine Million Kinder wegen ihrer jahrelang andauernden inter nen Low-levelBestrahlung. So betrug bei Schulkindern in der Provinz Gomel, nördlich des zerstörten Reaktors, im Sommer 1986 die Cs137Belastung zwischen 20 und 200 Bq/kg Körpergewicht. Mehr als 20 Jahre später findet man spektrometrisch dieselben Werte, was die chronische Inkorporation von Radionukliden bestätigt. Vor 1986 wa ren es nicht mehr als 20% der Kinder, die als krank erklärt wurden; heute sind es mehr als 80%. Die Gesundheitspro bleme in benachbarten, nicht kontaminierten Gebieten ha
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