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«Altersschwäche» als Todesursache
Author(s) -
M Niederhauser
Publication year - 2011
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2011.07651
Subject(s) - biology
Sehr geehrter Herr Professor Genton In Ihrem Editorial stellen Sie fest, dass der Rückgang bei den Todesfällen vor dem achtzigsten Lebensjahr aufgewogen wurde durch eine Zunahme derjenigen über dieser Altersgrenze. Das ist eigentlich nicht erstaunlich, und man wird in einigen Jahren vielleicht feststellen können, dass eine Abnahme der Todesfälle unter 85 dann mit einer Zunahme der Fälle über 85 einhergeht. Weiter ist festzustellen, dass die Sterblich keit in der Schweiz 100% beträgt, im Ausland ist sie nicht wesentlich anders! Als Hausarzt werde ich immer wieder konfrontiert mit der Bestimmung von Todesursachen. Dazu ein Beispiel: Die 85jährige Urgrossmutter mit etwas erhöhtem Blutdruck, leichtem Diabetes, etwas Osteoporose, sonst aber «gut zwäg», geht am Abend normal zu Bett, und am Morgen steht sie nicht mehr auf. Man findet sie tot im Bett, Anzeichen eines Todeskampfes fehlen, sie ist friedlich eingeschlafen. Die Familie sagt: «Es ist ihr gut gegangen.» Woran ist diese Urgrossmutter nun ge storben? Kammerflimmern? Asystolie? Lungen embolie? Der Hausarzt hat ja die wichtige Pflicht, eine ausser gewöhnliche Todesursache festzustellen. Falls keine solche vorliegt, handelt es sich um eine natürliche Todes ursache, die er in aller Regel durch eine Unter suchung der Leiche nicht genau eruieren kann. Er wird dann einfach Herzschlag schreiben, wobei das eigentlich falsch ist, diese Urgrossmutter ist nicht an Herzkrankheit gestorben, sondern an der häufigsten Todesursache in der Schweiz, nämlich an hohem Alter, und genau diese kann man nicht kodieren. Ich habe das vor Jahren einmal versucht und nur Al tersschwäche auf das Formular geschrieben, wobei mich der zuständige Beamte verzweifelt angerufen hat und meinte, er könne den Fall nicht ad acta legen, weil es keinen Kode für Altersschwäche gäbe. Er fragte mich, ob denn der Patient nicht etwa Zucker gehabt hätte oder hohen Blutdruck. Ich schlage deshalb vor, dass man neben der Rubrik Demenz, welche man nun eingeführt hat, auch eine solche für hohes Alter bzw. Altersschwäche einführt, das heisst einfach das Errei chen der in unserem genetischen Programm festgeleg ten maximalen Lebensdauer von neunzig bis um die hundert Jahre. Damit würde die Statistik der Todes ursachen realitätsnaher aussehen. Martin Niederhauser

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