z-logo
open-access-imgOpen Access
Und immer wieder das liebe Geld
Author(s) -
A de Torrenté
Publication year - 2011
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2011.07648
Subject(s) - political science
Die Ärzteschaft ist, wie man so schön sagt, ein Kalei doskop mit tausend Facetten: Es gibt Kollegen mit ta dellosem Berufsethos, die sich, Heiligen gleich, nie über das Ausmass ihrer Arbeit beklagen und Tag und Nacht um das Wohl ihrer Patienten sorgen. Gelegentlich gibt es jedoch auch habgierige Raffer, die unseren gesamten Berufsstand diskreditieren. Die folgende Geschichte aus dem Lancet [1] ist ein gutes Beispiel für eine solche anscheinend unstillbare Geldgier. Einem Kardiologen aus Maryland in den USA wurde für zwei Jahre seine Arztlizenz entzogen. Der Grund: Er hatte an einem einzigen Tag 30 (ja, dreissig!) Stents ge setzt ... Laut Medicare, der bundesstaatlichen Kranken versicherung für über 65 Jahre alte Bürger, belief sich die Gesamtsumme für alle innerhalb von sechs Jahren bis Ende 2009 implantierten Stents auf 25,6 Milliarden Dollar. Bei stabilen Patienten waren jedoch laut einer im Juli im JAMA veröffentlichten Studie 50% dieser Im plantationen nicht gerechtfertigt. Da kann man sich leicht ausrechnen, welche Geldbeträge hier für nichts und wieder nichts ausgegeben und von einigen Kolle gen in ihre eigene, weit geöffnete Tasche gesteckt wur den. Aufgrund der Geschichte des oben erwähnten Kol legen mit dem Namen Dr. Midei hat der Bundesstaat Maryland nun ein strenges Gesetz erlassen, das im Ok tober 2011 in Kraft tritt und laut dem zukünftig alle Spi täler dazu verpflichtet sind, ihre medizinischen Behandlungen nach dem Stichprobenprinzip auf ihre Berechtigung hin überprüfen zu lassen. Das haben wir nun von gewissen Kollegen, die ihre Habgier nicht zügeln können: Kontrollen, Kontrollen und noch mehr Kontrollen, durch die unsere Berufsfreiheit einge schränkt wird. Aber was kann man tun, um dem Ver langen der habgierigen Ärzte nach immer mehr Geld Herr zu werden? Allen ein Gehalt zahlen, auf die Ge fahr hin, dass einige daraufhin pünktlich um 18.01 Uhr ihren Kittel an die Garderobe hängen? Bei besonders kostspieligen Behandlungen auf der Einholung einer zweiten ärztlichen Meinung bestehen? Eine penible Kontrolle durch die Behörden – die uns mitunter nicht gerade wohlgesonnen sind – kann allein durch ein tadel loses Berufsethos der Mehrheit unseres Berufs standes verhindert werden. Oben erwähnter Kardiologe gab übrigens selbst zu, dass er gelegentlich den bei der Koronarangiographie festgestellten Stenosegrad als höher interpretierte, um seine Eingriffe zu rechtfertigen. Da er der Chef war und noch dazu einen ausgesprochen guten Ruf hatte (ein weiteres Paradoxon), traute sich niemand, ihm zu widersprechen. Wenn man bedenkt, dass es bei ca. 5% der Stentimplantationen zu Komplikationen kommt (Stentthrombose, koronare Dissektion), stellt sich die Frage, wie viele Patienten bereits unter dem Implan tationseifer des Dr. M. zu Schaden kamen. Ein Aus schuss des Senats schätzte die Zahl der von ihm un nötigerweise gesetzten Stents auf 585. Als Krönung des Ganzen war der Arzt auch noch von der Herstellerfirma der Stents mit grosszügigen Aufmerk samkeiten bedacht worden: Eine kleine Abend ver anstaltung auf seinem Anwesen mit Spanferkel im Wert von über 2000 Dollar wurde vollständig von Abbott finanziert. Was denkt der gute Dr. M. wohl von sich selbst, wenn er morgens, be vor er sein Tagwerk beginnt, beim Rasieren in den Spie gel schaut? Wahr scheinlich denkt er an sein Bank konto ... Wenn ich seine Adresse hätte, würde ich ihm gern ein kleines Sprichwort zusenden, das meine liebe Grossmutter aus dem Jura gern mit rollendem R zum Besten gab: «Les suaires n’ont point de poches!» (Leichen tücher haben keine Taschen).

The content you want is available to Zendy users.

Already have an account? Click here to sign in.
Having issues? You can contact us here
Accelerating Research

Address

John Eccles House
Robert Robinson Avenue,
Oxford Science Park, Oxford
OX4 4GP, United Kingdom