Hypokalzämie nach Schilddrüsenoperation
Author(s) -
F Meienberg,
J Siegenthaler,
M Kränzlin
Publication year - 2011
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2011.07614
Subject(s) - medicine
Eine 74-jährige Patientin stellt sich notfallmässig mit Muskelkrämpfen im Bereich der Unterarme sowie Paräs thesien an Händen und Füssen vor. Im Labor findet sich ein stark erniedrigtes Kalzium von 1,50 mmol/l (Normbereich 2,10–2,65) und ein leicht erhöhtes Phosphat von 1,62 mmol/l (Norm 0,80–1,50). Das Albumin liegt bei 38 g/l (Norm 35–52), das Albumin-korrigierte Kalzium beträgt 1,55 mmol/l. Natrium und Kalium liegen im Normbereich. Die Hypokalzämie ist definiert durch ein erniedrigtes ionisiertes (oder freies) Kalzium im Serum. Im Labor wird üblicherweise die Konzentration des gesamten im Serum vorhandenen Kalziums bestimmt. Davon liegen aber nur ca. 45% in biologisch aktiver, ionisierter Form vor, der Rest ist grösstenteils an Albumin gebunden. Um die Konzentration des ionisierten Kalziums besser abschätzen zu können, muss das gemessene totale Kal zium mittels entsprechender Formel, gemäss der Al buminKonzentration, korrigiert werden: korrigiertes Kalzium = Ca total + 0,02 x (40 – Albumin/Patient). Als Faustregel kann man sich merken, dass sich die totale KalziumKonzentration um 0,2 mmol/l verändert, wenn die AlbuminKonzentration um 10 g/l von 40 g/l abweicht. Bei Hypoalbuminämie liegt somit oft ein erniedrigtes totales Kalzium vor, ohne dass von einer reellen Hypokalzämie gesprochen werden kann. Die direkte Messung des ionisierten Kalziums ist mög lich. Sie kann beispielsweise mit einem Blutgasanalyse gerät erfolgen. Dies erfordert aber ein spezielles Röhrchen bei der Blutentnahme und eine rasche Verar beitung im Labor (max. 1 bis 2 Stunden). Normaler weise ist die mit weniger Aufwand verbundene Berech nung des Albuminkorrigierten Kalziums ausreichend. Im Zweifelsfall sollte aber zusätzlich eine direkte Mes sung des ionisierten Kalziums durchgeführt werden. Patienten mit Hypokalzämie können beschwerdefrei sein oder diverse Symptome aufweisen (Tab. 1 p), je nachdem, wie ausgeprägt die Hypokalzämie ist und wie rasch sie entstanden ist. So kann eine milde, aber akut aufgetretene Hypokalzämie ausgeprägte Symptome hervorrufen – eine ausgeprägte, chronische Hypokalz ämie aber asymptomatisch bleiben. Klassische Zeichen der akuten Hypokalzämie sind Parästhesien (an den Akren und perioral) und die Tetanie. Die Tetanie ist Ausdruck einer peripheren neuromus kulären Übererregbarkeit; das klinische Spektrum ist sehr breit und reicht von Muskelkrämpfen bis hin zu dramatischen Präsentationen (Pfötchenstellung, Zuckungen, Laryngospasmus). Bei asymptomatischen Patienten kann durch Provokation gelegentlich eine latente Tetanie nachgewiesen werden (positive Chvos tek und TrousseauZeichen). Bei Hypokalzämie können auch kardiale oder neurologisch-psychiatrische Symptome auftreten. Aufgrund der Bedeutung von Kalzium in der elektromechani schen Koppelung kann es unter Hypokalzämie zu myo kardialer Dysfunktion bis hin zu schwerer Herzinsuffi zienz kommen. Charakteristischerweise tritt auch eine Verlängerung des QTIntervalls auf, bedrohliche Ar rhythmien sind allerdings selten. An neurologisch psychiatrischen Symptomen können emotionale In stabilität, Ängstlichkeit oder depressive Verstimmung auftreten; selten kommt es zu zerebralen Krampfanfäl len, Verwirrtheit, akuten psychotischen Zuständen oder bei ausgeprägter Hypokalzämie zu einem Pseudotumor cerebri. Liegen zusätzlich zur Hypokalzämie weitere Elektrolyt störungen vor (z.B. Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, Alkalose), kann die Symptomatik synergistisch ver stärkt werden. So kommt es beispielsweise bei der Al Quintessenz
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