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Internet, Sex und Sucht: Klinik und Therapie der (Internet-)Sexsucht
Author(s) -
Wang Mei-li,
Suzana Susi Pfeifer
Publication year - 2011
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2011.07612
Subject(s) - psychology , medicine
Obwohl in den Begriffen «Spielsucht» oder «Kaufsucht» der Begriff der Sucht bereits heute auch Verhaltensweisen zugeordnet wird, kennen die bisherigen psychiatrischen Klassifikationssysteme (ICD-10, DSM IV) Sucht oder Abhängigkeit nur im Zusammenhang mit Substanzen (Alkohol, Drogen, Medikamente usw.). Durch das Aufkommen des Internets und damit auch des suchtartigen Gebrauchs des Internets drängt sich immer mehr eine Erweiterung des Suchtbegriffes auch auf Verhaltensweisen auf. So spricht man heute von «nicht Substanz-gebundenen Süchten» oder Verhaltenssüchten. Dem soll in der nächsten Fassung des DSM (DSM V) Rechnung getragen werden [1]. Bei der Internetpornographie-Sucht (Abb. 1 x) handelt es sich um suchtartigen Konsum von pornographischen Inhalten im Internet, wie Bildern, Filmen, Chats (mit oder ohne Webcam) und weiteren interaktiven Möglichkeiten (sog. Cybersex). An Angeboten besteht kein Mangel: So macht z.B. die Zahl der InternetpornographieWebsites 12% aller Websites aus. 25% aller Anfragen an Suchmaschinen und 35% aller Downloads betreffen pornographische Inhalte [2]. Diese reichen von sogenannter weicher Pornographie über «Hardcore-» Pornographie (explizite Darstellung sexueller Aktivitäten, wobei die Geschlechtsorgane während des Sexualaktes offen dargestellt werden, Darstellung spezieller sexueller Vorlieben oder Techniken wie Oraloder Analverkehr, Gruppensex, Sex mit Übergewichtigen, älteren Menschen u.a.m.) bis hin zu strafrechtlich relevanten Praktiken wie Gewaltdarstellungen und Kinderpornographie. Hier reicht das Angebot bis zu sadistischen Folterungen und Tötungen («snuff videos»). Der juristische Begriff der «harten Pornographie» deckt sich nicht mit dem, was umgangssprachlich unter Hardcore-Pornographie verstanden wird, sondern meint sexuelle Handlungen mit Kindern, Tieren, sexuelle Darstellungen mit Gewalttätigkeiten oder mit menschlichen Ausscheidungen (Urin, Kot). Der Besitz und insbesondere die Verbreitung von harter Pornographie stehen unter Strafe. Der Konsum von Internetpornographie ist weit verbreitet. Um gesicherte Angaben zur Prävalenz zu machen, liegen zwar noch zu wenig Daten vor, doch eine amerikanische Online-Umfrage von 2008, bei der über 15000 Personen befragt wurden, zeigte, dass 75% der Männer und 41% der Frauen Internetpornographie konsumierten [3]. Allerdings ist das Konsummuster bei Männern und Frauen verschieden: Während sich männliche Konsumenten tendentiell auf pornographisches Bildmaterial konzentrieren, bevorzugen Frauen den erotischen Chat und lassen sich häufiger auf reale Begegnungen ein [3].

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