Tagesschläfrigkeit: was tun nach Ausschluss eines Schlafapnoe-Syndroms?
Author(s) -
J HabaRubio,
R Heinzer
Publication year - 2011
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2011.07483
Subject(s) - gynecology , political science , medicine
Wenn Ihr Patient unfreiwillig in Ihrem Wartezimmer beim Lesen einer Zeitschrift einschläft oder, schlimmer noch, am Steuer seines Autos, sollten Sie sich seinem Schlaf zuwenden und die Ursache der Somnolenz her ausfinden. Patienten, die an übermässiger Tagesschläf rigkeit leiden, berichten nicht immer spontan darüber: Bei progressiver Entwicklung über mehrere Jahre rea lisieren sie nicht immer deren pathologischen Charak ter. In unserer Gesellschaft besteht zudem die Tendenz, die Tagesschläfrigkeit zu bagatellisieren und sie in ers ter Linie auf ein Problem des Lebensstils zurückzufüh ren. Es ist erst einige Jahrzehnte her, seit man die beruflichen und sozialen Beeinträchtigungen mit ih ren Auswirkungen auf das Risiko für Verkehrs oder Arbeitsunfälle erkannt hat, die dieses Problem für un sere Patienten mit sich bringen kann. In einer skandinavischen Studie, die mit mehr als 11000 Personen durchgeführt wurde, wird der prozen tuale Anteil einer subjektiven Tagesschläfrigkeit in der Allgemeinbevölkerung auf etwa 7% bei Männern und 11% bei Frauen mittleren Alters geschätzt [1]. In einer anderen Studie aus Quebec fand man eine Prävalenz von 5,5% an schwerer Somnolenz und von 15,2% an mittelschwerer Somnolenz in der Allgemeinbevölke rung im Alter über 15 Jahre [2]. Erfasst man die Tages schläfrigkeit objektiv mit einem Schlaflatenztest (siehe unten) in der amerikanischen Bevölkerung im Alter zwischen 30 und 60 Jahren, findet man eine pathologische Tagesschläfrigkeit bei 25% von ihnen mit einem durchschnittlichen Einschlafen innert weniger als 5 Minuten bei 5 verschiedenen Gelegenheiten über den Tag [3]. Die übermässige Tagesschläfrigkeit kann als unge wollte Einschlafneigung während des Tages definiert werden. Sie muss von einer sekundären körperlichen Müdigkeit, z.B. bei einer kardiorespiratorischen oder endokrinen Erkrankung, unterschieden werden [4]. Ausserdem muss die Somnolenz von einer Asthenie oder sogenannten Klinophilie, die eine Depression be gleiten kann, abgegrenzt werden. In diesem Fall ver spürt der Patient eine starke Müdigkeit und ein starkes Verlangen, sich ins Bett zu legen bzw. lange im Bett lie gen zu bleiben (Klinophilie). Es gelingt ihm aber nicht wirklich, tagsüber einzuschlafen. Zur sicheren Identi fizierung und anschliessenden Quantifizierung der Somnolenz sind eine präzise Anamnese und manchmal objektive Schlaflatenztests erforderlich. Die Ursachen der Somnolenz können in verschiedene Kategorien unterteilt werden: induzierte Somnolenzen, primäre und sekundäre (Tab. 1 p). Unter den primä ren Hypersomnien findet man an erster Stelle die Schlafapnoe, die Gegenstand eines früheren Artikels im Forum sind [5] und in dieser Übersicht nicht behandelt werden. Auch die sekundäre Somnolenz bei psychiatri schen, neurologischen oder infektiösen Erkrankungen wäre ein zu umfassendes Thema, um es hier abzuhan deln. Wir erörtern jedoch Hilfsmittel zur Beurteilung der Somnolenz, primäre neurologische Ursachen, das Syndrom des erhöhten Widerstandes in den oberen Atemwegen (Upper airway resistance syndrome), das Syndrom des chronischen Schlafmangels, motorische Störungen während des Schlafs sowie Störungen der inneren Uhr.
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