Hämorrhoiden der aussergewöhnlichen Art
Author(s) -
CA Pfortmüller,
D Rauch,
A Born
Publication year - 2011
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2011.07467
Subject(s) - art
Eine bisher gesunde 81-jährige Patientin wurde uns wegen eines ungewollten Gewichtsverlusts von 12 kg in einem Jahr und Inappetenz zugewiesen. Seit einem Jahr bestanden zunehmende Müdigkeit, Leistungsintoleranz sowie nächtliches Schwitzen, jedoch ohne Fieber. Zusätzlich seien veränderte Stuhlgewohnheiten aufgefallen mit einer gelegentlichen geringen Beimengung von Frischblut. Des Weiteren lag anamnestisch ein Analprolaps vor, welcher die Patientin sehr beeinträchtigte. Dieser wurde vom Hausarzt als Hämorrhoidalerkrankung interpretiert und entsprechend behandelt. Klinisch fiel bei der afebrilen, kardiopulmonal kompensierten Patientin eine stark vergrösserte Leber mit höckeriger Oberfläche auf. Nach dem Toilettengang unmittelbar nach Eintritt prolabierte ein ca. 6 x 6 cm grosser, dunkelroter, weicher gestielter Tumor (Abb. 1 x). Im Labor fielen neben einer grenzwertigen mikrozytären hypochromen Anämie (Hb 118 g/l) erhöhte Gallengangsund Entzündungsparameter (Lc 18,1 G/l, CRP 183 mg/l, Alk. Phos. 192 U/l, GGT 424 U/l) auf. Sonographisch sowie computertomographisch fanden sich multiple Rundherde in der Leber (Abb. 2x), metastasenverdächtige Herde in der Milz und drei osteolytische Herde in Wirbelkörpern. Weder klinisch (inkl. gynäkologischer Untersuchung) noch radiologisch fand sich ein Primärtumor. Die Tumormarker (CEA, CA-125, alpha-Fetoprotein) waren negativ. Da die Patientin durch den schmerzhaften prolabierenden Tumor stark gestört war und der klinische Eindruck nicht an ein Malignom denken liess (keine Infiltration in die Tiefe palpabel, keine Adhärenz bei sehr grossem Tumor, Konsistenz weich, gestielter Tumor mit mukosabezogenem Gefässstiel), wurde von chirurgischer Seite her die Indikation zur operativen Entfernung gestellt. Histologisch wurde ein malignes Melanom mit hoher proliferativer Aktivität nachgewiesen (Pathologie Länggasse Bern). Bei unauffälliger dermatologischer Vorgeschichte sowie unauffälligem dermatologischem Status zum Zeitpunkt der Diagnose gingen wir von einem primären anorektalen Melanom aus. Wir führten eine palliative Therapie mit Prednison und Bisphosphonaten durch. Der Zustand der Patientin verschlechterte sich in der Folge stetig, und sie verstarb drei Monate nach Diagnosestellung.
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