Operative Geschlechtsumwandlung bei Störungen der Geschlechtsidentität
Author(s) -
O Bauquis,
F Pralong,
F Stiefel
Publication year - 2011
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2011.07413
Subject(s) - medicine
Von Transsexualität spricht man bei Personen, die ihre soziale und psychische Geschlechtsidentität so empfinden, dass sie im Gegensatz zu ihren äusseren Geschlechtsorganen stehen. Entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil handelt es sich bei Transsexualismus weder um ein neues noch auf unseren westlichen Kulturkreis beschränktes Phänomen. Seit dem Altertum [1] traten in zahlreichen Kulturen transsexuelle Identitäten in Erscheinung (Abb. 1 x). In manchen Kulturen wurde ein drittes Geschlecht eingeführt, unter das Transsexuelle eingeordnet werden konnten. Die Kaste der Hijras beispielsweise besteht aus vollständig entmannten Männern, die leben und sich kleiden wie Frauen. Sie nehmen bei gewissen Riten in der indischen Gesellschaft eine wichtige Stellung ein. Trotzdem wurde erst Mitte des 20. Jahrhunderts zum ersten Mal eine medizinisch-chirurgische Geschlechtsumwandlung durchgeführt und in einer wissenschaftlichen medizinischen Fachzeitschrift publiziert (Christine [George] Jorgensen, operiert in Dänemark). Manche Transsexuelle beginnen bei ihrer Suche nach Erfahrungen und Selbstakzeptanz damit, sich wie das andere Geschlecht zu kleiden (cross-dressing). Bei diesen Personen liegt lediglich eine unspezifische Form der Geschlechtsidentifikationsstörung vor. Ganz anders liegt die Situation bei denjenigen, die ein imperatives Bedürfnis verspüren, auch körperlich dem anderen Geschlecht zu entsprechen. Bei diesen Patienten kann einzig eine kombinierte psychiatrische und hormonale Behandlung zusammen mit einer chirurgischen Geschlechtsumwandlung dazu verhelfen, den Körper dem anderen Geschlecht anzupassen, in dem sie sich wirklich zu Hause fühlen. In der Folge wurde von Fisk [3] ab 1973 für transsexuelle Patienten, die eine Operation zur Geschlechtsumwandlung wünschen, die Bezeichnung «Geschlechtsdysphorie» eingeführt. Dieses Konzept wurde in der 4. Revision des DSM von 1994 unter dem Kapitel «Geschlechtsidentitätsstörungen» aufgenommen: Bei Personen «mit einer starken und andauernden gegengeschlechtlichen Identifikation und andauernden Unzufriedenheit mit ihrem Geschlecht oder einem Gefühl der Unstimmigkeit in der Geschlechterrolle» wird kindliche (302.6) resp. adoleszente oder erwachsene Geschlechtsidentitätsstörung (302.85) diagnostiziert. Die erste klinische Abhandlung über transsexuelle Menschen wurde von Harry Benjamin 1966 publiziert [4], worin er seine Erfahrungen in der Begleitung solcher Patienten beschreibt. Die in diesem Werk ausgeführten Definitionen werden auch heute noch zur Beurteilung transsexueller Patienten herangezogen: – Überzeugung, eine dem bei der Geburt vorliegenden anatomischen Geschlecht entgegengesetzte Geschlechtsidentität zu haben; – die Bereitschaft, Beziehungen als Frau oder Mann (die oder der man ist oder werden will) einzugehen; – Fehlen unterdrückter homosexueller Tendenzen, sondern eher der Wunsch nach einer sexuellen Beziehung ganz als Frau resp. Mann (auch wenn es sich am Ende manchmal herausstellen kann, dass ein Transsexueller zusätzlich homosexuell sein kann); – aktives Bestreben nach einer Operation zur Geschlechtsumwandlung.
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