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Wenn Medikamente via Internet bestellt werden
Author(s) -
R Mosimann,
RA Streuli
Publication year - 2010
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2010.07363
Subject(s) - the internet , computer science , world wide web
Die Preise der Arzneimittel in der Schweiz sind regu liert; sie werden vom Bundesamt für Gesundheit festge legt und sind im Vergleich mit den umliegenden Län dern teilweise hoch. Das bringt manche in Versuchung, die Hausapotheke mit günstigen Angeboten aus dem Internet zu alimentieren. Gemäss Heilmittelgesetz ist es erlaubt, Arzneimittel in kleinen Mengen, d.h. innerhalb eines Monatsbedarfs, für den Eigengebrauch legal zu importieren. Diese ursprünglich für einreisende Touris ten gedachte Bestimmung wird vermehrt auch von Schweizern benutzt, um sich rezeptpflichtige Medika mente via Internet aus dem Ausland zu besorgen. Die Qualität der über das Internet bestellten Arzneimit tel ist aber sehr unterschiedlich, und das Risiko ist gross, dass der Postbote dem arglosen Internetsurfer anstelle des Preisschnäppchens ein krudes und nicht selten gefährliches Produkt in den Briefkasten legt. Das grosse Problem besteht darin, dass der Käufer selbst nicht erkennt, dass es sich um eine irreführende Fäl schung handelt (Abb. 1 x). Hier geht es primär nicht um Markenfälschungen – auf Webseiten werden die unterschiedlichsten Varianten illegaler Medikamente angeboten. 1. Medikamente, welche – in der Regel in Asien – unter Umgehung des Patentschutzes hergestellt wurden und die auf dem Blister deklarierte Substanz in der richtigen Dosierung enthalten. Man könnte meinen, dies sei die für den Pa tienten harmloseste Form der Fälschung. Der Käufer weiss jedoch nicht, unter welchen (hygienischen) Bedin gungen die Herstellung erfolgte, und diese rezeptpflich tigen Produkte enthalten meist keine Patienteninforma tion. Der Patient erhält keine Dosierungsanweisungen oder Informationen zu Vorsichtsmassnahmen, die zu beachten sind. 2. Die Tabletten enthalten den dekla rierten Wirkstoff unter oder überdosiert und in schlech ter Qualität. Auch hier praktisch immer ohne Patienten information. 3. Die Tabletten enthalten etwas ganz anderes als das, was auf der Packung steht, nicht selten z.B. bloss Stärke, oder aber hochtoxische Substanzen, wie Schwermetalle oder Thyroxin, Dinitrophenol (letz tere vor allem in Abmagerungspillen). In Asien tummel ten sich mehrere Erektionsförderer auf dem Markt, die anstelle eines PhosphodiesteraseTyp5Hemmers das orale Antidiabetikum Glibenclamid in überhöhter Dosie rung enthalten, was in Singapur zu zahlreichen Hospi talisationen und einem Todesfall wegen schwerer Hypo glykämie geführt hat. Der prozentuale Anteil der verschiedenen Indikationen illegal importierter Arzneimittel verteilt sich wie folgt: 24% sind Erektionsförderer; 14% Schlankheitsmittel; 12% Muskelaufbaupräparate; 8% Haarwuchsmittel; 4% Schmerzmittel; 3% Psychopharmaka und 3% Ovula tionshemmer. Unter den restlichen 32% finden sich di verseste andere rezeptpflichtige Medikamente. Swissmedic hat in ihrem analytischen Labor 120 Pro ben beschlagnahmter Importe von Erektionsförderern untersucht. Sie waren fast ausnahmslos über das Inter net bestellt worden. Die Analysen ergaben, dass 40% der Proben schwere Qualitätsmängel aufwiesen. Ein Produkt namens «Feel good like in Heaven» enthielt ohne Deklaration Sildenafil in einer Menge, die über der zugelassenen täglichen Maximaldosis liegt, und es überschritt zudem den für Arsen zulässigen Grenzwert um das Tausendeinhundertfache! In «Black Superman» war Sildenafil 150% überdosiert, der Grenzwert für Ar sen war um das 80fache und der für Quecksilber um das 2,5fache überschritten. Zehn Muster wurden als rein pflanzlich angepriesen. Acht von ihnen enthielten jedoch nichtdeklarierte chemische Wirkstoffe. Auch bei Schlankheitsmitteln, die beschlagnahmt wor den waren, ergaben Laboranalysen besorgniserregende Resultate: Meist wurde in asiatischen Produkten nicht deklariertes Sibutramin in einer Überdosis gefunden. Grundsätzlich enthalten fast alle sogenannt natürlichen, rein pflanzlichen Arzneimittel, die über das Internet an geboten werden, synthetische Wirkstoffe (Abb. 2 x). aKTUELL

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