Ein Plädoyer für «N-of-1»-Versuche
Author(s) -
P Marko
Publication year - 2010
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2010.07356
Subject(s) - chemistry
Die Reihe «Biostatistik» hilft uns, Ergebnisse der Stu dien besser zu beurteilen und in die Praxis umzusetzen. Im letzten Artikel der Reihe wurde erklärt, für welche Fragestellung welches Studiendesign eingesetzt wird [1]. Die Ergebnisse der randomisierten Doppelblind studien (RDB) zeigen, ob eine medikamentöse oder andere therapeutische Massnahme überhaupt wirkt oder besser als eine andere ist. Sie gelten nicht gleich für alle Teilnehmer, sondern nur im Durchschnitt für eine grosse Zahl der Patienten. In der Praxis interes siert dann, wie die Wirkung bei einem einzelnen Pa tienten ist. Der «Nof1»Test wurde von den «Vätern» der Evidence based medicine entwickelt, um ebendies bei den konkreten Patienten zu prüfen [2]. Er ist vor allem – aber nicht nur – bei teuren Therapien geeignet, die mit Nebenwirkungen begleitet sein können, wie z.B. bei der Therapie mit Biologika. Er hilft Kosten sparen und/oder unnötige Belastungen der Patienten zu ver meiden [3, 4]. Das Vorgehen ist folgendes [5]: 1. Der Patient wird gründlich über Zweck und Sinn der Versuche informiert; 2. Der Patient und der Arzt bestätigen schriftlich ihre Bereitschaft, die therapeutische Massnahme zur Verminderung der Beschwerden zu prüfen; 3. Der Patient wird einer Reihe von Versuchs und Pla zebo oder anderen Vergleichstherapien unterzo gen. Die Reihenfolge der Paare wird randomisiert (durch Münzenwurf oder Computerprogramm); 4. Die Untersuchung wird wenn möglich doppelblind durchgeführt; 5. Das Befinden des Patienten, seine Beschwerden und Symptome werden peinlich genau schriftlich regis triert; 6. Die Versuche werden durchgeführt, bis sich Patient und Arzt einig sind, dass die Therapie wirksam, unwirksam oder schädlich ist. Es gibt mehrere Voraussetzungen für die Durchführung dieser Versuche [5]: – Es sollte nicht lange dauern, bis sich die Wirkung der Therapie zeigt (Stunden, Tage); – Die Wirkung der Therapie sollte bald nach ihrem Sistieren aufhören. Sonst müssen die Washout Perioden zwischen den Therapien lang sein; – Der Erfolg der Therapie muss gut feststellbar sein; – Man sollte Kriterien für den Abschluss der Versuche bestimmen; – Die Versuche müssen unter herrschenden Bedin gungen durchführbar sein. In dem unten aufgeführten Literaturverzeichnis finden Interessierte sowohl genaue Anleitungen für das Vor gehen wie auch manche Beispiele von erfolgreich durchgeführten «Nof1»Versuchen. Mit Ausnahme der Referenz 2 sind Volltexte der Artikel im Internet gebührenfrei abrufbar. In der Literatur herrscht die Meinung, man solle diese «Nof1»Versuche vermehrt in der Praxis einsetzen. Auch wenn Gemeinschafts praxen, Zentren und Spitalambulatorien eher für diese Versuche geeignet sind, kann man sie gut auch in Einzelpraxen durchführen. Ich bin überzeugt, dass die Institute für Hausarztmedizin der Medizinischen Fakul täten und das HortenZentrum des UniversitätsSpitals Zürich gerne bei dieser Form der Forschung in der Praxis helfen würden. Peter Marko
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