Die transarterielle Radioembolisation von Leberkarzinomen mit Y-90-Harzsphären (SIR-Spheres)
Author(s) -
Niklaus Schaefer,
T Pfammatter
Publication year - 2010
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2010.07307
Subject(s) - physics
Die Leber ist neben der Lunge das am häufigsten betroffene Organ einer Fernmetastasierung. Da praktisch das gesamte venöse Blut des Magen-Darm-Traktes als Erstes durch die Leber fliesst, sind Lebermetastasen gastrointestinaler Tumore besonders häufig. Insbesondere das Kolonkarzinom metastasiert früh in die Leber. Andere Primärtumore, wie das Mammaoder das Bronchialkarzinom, neuroendokrine Tumore, Pankreastumore, cholangiozelluläre Tumore oder Melanome streuen häufig in die Leber. Weit seltener als Metastasen in der Leber sind primäre Leberkarzinome. In Westeuropa ist das primäre Leberzellkarzinom (HCC) relativ selten. 80 Prozent der Leberzellkarzinome in den Industriestaaten entstehen auf dem Boden einer Leberzirrhose. Aufgrund der geringen Symptome in frühen Stadien der Erkrankung werden viele Patienten mit Lebermetastasen oder primären Leberzellkarzinomen erst sehr spät diagnostiziert, sind meist nicht operabel, und ihre Lebenserwartung ist trotz verschiedener Systemtherapien weiterhin beschränkt. Neben den Systemtherapien hepatischer Tumore stehen heute dem Interventionellen Radiologen mehrere Therapieoptionen zur Verfügung. Die Radiofrequenzablation (RFA) oder die transarterielle Chemoembolisation (TACE) wird bereits routinemässig in verschiedenen Spitälern der Schweiz eingesetzt. Eine in der Schweiz relativ neue Therapieoption ist die sogenannte SIR-Therapie (SIRT). SIRT steht für «Selektive Interne Radio-Therapie» und ist eine ab dem 1.7.2010 neu von der obligatorischen Krankenversicherung bezahlte Behandlungsform von bösartigen Tumoren der Leber. Diese Behandlung ist eine weitere Option für Patienten, deren Lebertumoren nicht resezierbar sind, nicht ausreichend auf eine Chemotherapie ansprechen oder chemorefraktär sind. Die SIRT ist eine interventionelle radiologisch-nuklearmedizinische Therapie und beruht auf dem Einbringen kleiner radioaktiver Kügelchen («Yttrium-90-Mikrosphären») direkt in das Tumorgewebe der Leber. Die Leber wird über zwei Gefässsysteme versorgt, nämlich über die A. hepatica und die Pfortader. Lebertumoren werden zu über 99% vom sauerstoffreichen Blut der Leberarterie versorgt. Die SIRT macht sich diese Eigenschaft der getrennten Blutversorgung von Lebertumoren und gesunder Leber zunutze. Transfemoral werden mittels Katheter Millionen von radioaktiven Mikrosphären direkt in das arterielle Gefässbett der angiogen aktiven Lebertumoren verabreicht. In der Leber bleiben die Mikrosphären im arteriellen Tumorgefässbett hängen und strahlen über mehrere Tage hinweg (Yttrium-90; physikalische Halbwertszeit: ca. 64 Stunden; biologische Aktivität: 11 Tage). Die maximale Reichweite der hochenergetischen Betastrahlung beträgt nur einige Millimeter. Aufgrund der hochselektiven Bestrahlung werden in den Lebermetastasen bis über 1000 Gray appliziert (Abb. 1 x). Aufgrund der hochselektiven Bestrahlung beträgt die Strahlenexposition des gesunden Lebergewebes weniger als 25 Gray. Diese Art radioaktiv beladener Mikrosphären wurde bereits im Jahr 1987 in Australien entwickelt. Seit diesem Zeitpunkt hat sich die Therapieform stetig weiterverbreitet und ist in Europa seit 2003 als Medizinprodukt mit CE-Zertifizierung zum Gebrauch zugelassen. Über 10000 Patienten wurden weltweit bereits mit diesem Verfahren erfolgreich behandelt.
Accelerating Research
Robert Robinson Avenue,
Oxford Science Park, Oxford
OX4 4GP, United Kingdom
Address
John Eccles HouseRobert Robinson Avenue,
Oxford Science Park, Oxford
OX4 4GP, United Kingdom