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Die Prostatakarzinom-Vorsorgeuntersuchung und deren Konsequenzen
Author(s) -
G. Thalmann,
VW Merz,
Thomas Gasser,
UE Studer
Publication year - 2010
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2010.07249
Subject(s) - computer science
Im Frühjahr 2009 sind zwei grosse randomisierte pro spektive Studien zur Wertigkeit der Früherkennung bzw. Vorsorgeuntersuchung (= «Screening») des Pro statakarzinoms durch Messung des Prostataspezifi schen Antigens (PSA) veröffentlicht worden. Während die europäische Untersuchung (European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer, ERSPC) nach knapp 9 Jahren eine 20%ige Reduktion der Prostata karzinomsterblichkeit und eine 40%ige Reduktion einer Metastasierung zum Zeitpunkt der Analyse zeigte [1], konnte die Studie aus den Vereinigten Staaten (Pro state, Lung, Colorectal, and Ovarian [PLCO] Cancer Screening Trial) nach rund 7 Jahren keine Reduktion der Sterblichkeit durch die Vorsorgeuntersuchung fest stellen [2]. Für die unterschiedlichen Resultate gibt es mehrere Gründe und Faktoren, die den fehlenden Nachweis einer Reduktion der Prostatakarzinomspezi fischen Sterblichkeit in der amerikanischen PLCOStu die erklären: 1. In der PLCOStudie hatten 45% der Männer bereits vor Studienbeginn eine PSABestimmung oder eine digitale rektale Untersuchung. Es ist somit anzuneh men, dass bereits eine gewisse Vorselektion statt fand mit Ausschluss der fortgeschritteneren Prosta takarzinome. 2. Von den Patienten in der amerikanischen Studie, die eine Empfehlung zum PSATest erhielten, führten nur 85% diesen aus, während 40% der Patienten in der Kontrollgruppe, welche keinen PSATest durch führen lassen sollten, diesen Wert bestimmen liessen. Es ist daher durchaus möglich, dass dies ei nen möglichen ScreeningEffekt abgeschwächt hat. 3. In der ScreeningGruppe der PLCOStudie liessen nur 40% der Patienten trotz Indikation zur Biopsie wegen PSA >4,0 ng/ml oder positiver digitaler rek taler Untersuchung eine Gewebeprobe durchführen (fehlende Compliance). 4. Der PSATest wurde in Europa ausserhalb von Pro tokollen weniger häufig und intensiv verwendet als in den USA. Somit erfolgten im Kontrollarm der eu ropäischen ERSPCStudie weniger PSATests, was die Erfolgswahrscheinlichkeit der europäischen im Vergleich zur amerikanischen Studie steigert. 5. Die Beobachtungszeit von 7 Jahren bei der amerika nischen Studie ist beim Prostatakarzinom eher knapp bemessen. Bei Männern, die in einem sol chen Zeitrahmen an einem Prostatakarzinom ver sterben, liegt ein fortgeschrittenes Tumorstadium und/oder ein aggressives Prostatakarzinom vor, des sen Prognose nicht kurzfristig durch eine Screening untersuchung beeinflusst werden kann. Daher müs sen Langzeitresultate abgewartet werden.

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