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Prävention oder Reparaturmedizin?
Author(s) -
B Knechtle
Publication year - 2010
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2010.07232
Subject(s) - political science
Beinahe täglich werden wir über die Medien informiert, dass unser Gesundheitswesen teuer ist, die Medika mente teuer sind, die Ärzte viele Kosten verursachen, die Spitäler viel kosten und deshalb jedes Jahr die Krankenkassenprämien steigen. Ebenso regelmässig hören und lesen wir, dass das Phänomen des Über gewichts weiter zunimmt. In der Schweiz ist die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei den Frauen von 22,8% in den Jahren 1992/93 auf 30,9% im Jahr 2002 angestiegen, bei den Männern von 41,1 auf 48,1%. Im internationalen Vergleich ist der Anstieg der Prävalenz in der Schweiz allerdings tiefer als in anderen Ländern [1]. Wir alle wissen – und dazu muss ich keine Literatur zitieren –, dass mit regelmässiger körperlicher Aktivität und kontrolliertem Essen in den meisten Fällen Über gewicht und Adipositas vermeidbar sind. Und ebenso wissen wir alle auch, dass Übergewichtige und Adipöse ein erhöhtes Risiko für arterielle Hypertonie und Diabetes haben, die dann wiederum das Risiko für In sult und Herzinfarkt erhöhen. Was wir wahrscheinlich etwas weniger hören – weil es die meisten wohl auch nicht hören wollen –, ist die Tatsache, dass regelmäs sige körperliche Aktivität unser Wohlstandssyndrom in den Griff bekommen könnte. Ich möchte an dieser Stelle aktuelle Arbeiten zitieren, die ganz klar zeigen, dass mit erhöhter Intensität im Sport unserem Wohlstandssyndrom zu (Fett)Leibe gerückt werden könnte. Williams zeigte 1997 anhand von 8283 Läufern, dass bei Probanden mit mehr als 80 wöchentlichen Laufkilometern gegenüber solchen mit weniger als 16 wöchentlichen Laufkilometern die Prävalenz einer Hypertonie um mehr als 50% reduziert wurde [2]. Der gleiche Autor konnte zeigen, dass mit erhöhter Laufintensität das Cholesterin sinkt [3]. Sehr aussagekräftig ist seine aktuelle Studie mit Marathon läufern. Hier konnte er zeigen, dass Läufer in Ab hängigkeit der gelaufenen Marathons eine deutlich tiefere Prävalenz für arterielle Hypertonie, Hypercho lesterinämie und Diabetes zeigen [4]. Selbstverständlich kommt von den Patienten – wenn man sie zum Laufen animieren möchte – der Hinweis, dass zu viel Sport zu Arthrose führt. Dem darf der geneigte Arzt widersprechen, denn eine prospektive Studie von Chakravarty et al. [5] zeigte, dass Laufen nicht mit einem erhöhten Risiko für Kniegelenks arthrose assoziiert ist. Man darf im Gegenteil davon ausgehen, dass Übergewichtige und Fettleibige eher eine Arthrose des Knies entwickeln als Läufer [6]. Patentrezepte zur Lösung unseres Problems im Ge sundheitswesen gibt es nicht, sonst hätte man diese schon längst erfolgreich implementiert. Im Moment ist viel zu lesen von Investitionen in die Zukunft. Investi tionen in die Bildung sind dabei ohne Zweifel prioritär, nicht ausser Acht sollte man dabei aber lassen, dass Investitionen in den Breitensport wohl ebenso gut an gelegt sind, ganz nach dem Motto «Mens sana in cor pore sano».

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