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Eine gute Idee?
Author(s) -
A de Torrenté
Publication year - 2010
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2010.07120
Subject(s) - humanities , philosophy
Die Reform des teuren, sozial unverträglichen und in effizienten amerikanischen Gesundheitssystems – ver glichen damit sind die Arbeiten des Herkules geradezu ein nettes Gesellschaftsspiel für Regensonntage. In den USA haben jetzt aber einige Versicherungsgesellschaf ten, Pharmakonzerne und Spitäler das Versprechen ab gegeben, ihre Gewinne zu drosseln. Eine verdienstvolle Initiative und ausgezeichnete Public Relations noch dazu ... Und die Ärzte? Ein vergleichbares Versprechen hat man bisher noch von keiner der grossen Standes organisationen vernommen. Hier nun tritt ein gewisser Howard Brody [1] vom texanischen Institut für «Medi cal Humanities» auf den Plan. Was stellt er fest? Grosse Kostenunterschiede zwischen den einzelnen USBun desstaaten (wie zwischen den Schweizer Kantonen für die Krankenkassenprämien). Nach Brodys Schätzung könnte ein Drittel der Gesundheitskosten ohne Nach teile für die Patienten eingespart werden, wenn die Ärzte in den «teuren» Bundesstaaten sich an den Prak tiken ihrer Kollegen in den «kostengünstigen» orientie ren würden. Ein Beispiel gefällig? Einer der teuersten Bundesstaaten, der District of Columbia (D.C.) mit der Hauptstadt Washington, gibt laut den Zahlen von 2004 jährlich rund 8300 Dollar pro Kopf aus. Die Lebens erwartung bei Geburt: 72 Jahre. Einer der kostengüns tigsten Bundesstaaten, Hawaii, ungefähr 5000 Dollar. Lebenserwartung bei Geburt: 80 Jahre. Hier besteht offensichtlich ein Problem. Natürlich sind die beiden Populationen nicht wirklich vergleichbar, das Klima ist unterschiedlich – aber trotzdem. Mehr aufzuwenden bedeutet somit nicht ipso facto eine höhere Lebens erwartung. Und in der Schweiz? Genf gibt für die Prä mien doppelt so viel aus wie der Kanton Appenzell. Die standardisierte Mortalitätsrate liegt in Genf bei 500 pro 1 Einwohner, in Appenzell ist sie etwas weniger gut: 600 (aber nicht 1000 ...). Brodys Ausführungen sind von hohem Interesse. Er schlägt vor, jede Ärztegesellschaft solle ein Experten panel einberufen, das für jeden Fachbereich fünf (oder mehr) teure, häufig verschriebene oder durchgeführte Behandlungen, Verfahren, Untersuchungen benennt, deren Gewinn für den Patienten nicht belegt ist. Wie viele CT, nur «für den Fall»? Wie viele unnötige Arthro skopien bei Kniearthrose? Ganz zu schweigen von der Vertebroplastik ... Und weshalb denn nicht ein analoges Verfahren in der Schweiz? Die eigene Praxis überprüfen, aus der Distanz die eigene Berufsausübung unter die Lupe nehmen – wäre das nicht eine nützliche Übung? Gewiss, einige hätten finanzielle Verluste zu gewärtigen. Aber welch ein Reputationsgewinn für die Profession! Zu Recht ste hen die Versicherer bei der Bevölkerung nicht in hoher Gunst, aber sie geniessen weitgehend politische Narren freiheit. Würden die Ärzte den Politikern und der Be völkerung ganz generell zeigen, dass sie ihren Teil dazu beitragen, um die Kosten in den Griff zu bekommen, gingen sie aus diesem Abenteuer gestärkt hervor. Sei nen Aufsatz beschliesst Brody durchaus treffend mit einem Zitat von Mark Twain: «Handle immer richtig. Das wird einige Leute zufriedenstellen und den Rest in Erstaunen versetzen ...» Antoine de Torrenté

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