Interessantes über ein Bakterium, ein Virus und eine Mücke
Author(s) -
Die Redaktion
Publication year - 2009
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2009.06837
Subject(s) - materials science
zieren. Das war nicht einfach; Wolbachia musste erst in dreijähriger Zucht auf aus der Mücke gewonnenem Gewebe an Aedes adaptiert werden [1]. Resultat: Infizierte Aedes aegypti-Mücken leben nur einen statt zwei Monate! Das Denguevirus braucht jedoch für seine Entwicklung zum für Menschen infektiösen Parasiten mehr als einen Monat Aufenthalt in der Mücke. Weibliche Mücken, die mit Wolbachia und dem Virus infiziert sind, werden somit unschädlich! Besser noch, sämtliche Weibchen werden Wolbachia an alle ihre weiblichen Nachkommen weitergeben. Die Idee besteht nun darin, dieses «trojanische Pferd» in der Natur freizusetzen. Mit der Zeit gäbe es, so hofft man, nur noch Aedes aegyptiMücken mit einer für die Übertragung des Denguefiebers ungenügenden Lebensdauer. Dies ist ein schönes Beispiel für die Hartnäckigkeit dieser Forschergruppe aus Queensland, diesem australischen Staat, in dem sich das Denguefieber rasch ausbreitet. Diese «biologische» Technik könnte sich möglicherweise auch zur Bekämpfung anderer durch Mücken übertragener Erkrankungen eignen, speziell der Filariose. Bevor man den Sieg proklamiert, sind Feldversuche nötig. Noch ist der Kampf nicht gewonnen: Man könnte sich vorstellen, dass sich das Virus anpasst, indem es sich in kürzerer Zeit entwickelt, oder dass infizierte Aedes aegypti-Mücken Wege finden, länger zu überleben. Stört man das natürliche biologische Gleichgewicht im grossen Stil, kann das zu Überraschungen führen. 1935 hat man ebenfalls in Australien eine nette kleine Kröte von 10 cm Grösse und wenigen Gramm Gewicht ausgesetzt, um die Maikäfer zu bekämpfen. 80 Jahre später ist aus diesem Amphibium ein Monster geworden, die Büffelkröte, giftig für die Schlangen und Alligatoren, die sie fressen. Die Kröte kann bis zu einem Kilo wiegen und 35 cm gross werden, und ihr Reich erstreckt sich über 1,5 Millionen km2. Wieder Zauberlehrlinge am Werk?
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