Nieder mit den Waffen!
Author(s) -
Die Redaktion
Publication year - 2008
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2008.06673
Subject(s) - computer science
Schusswaffe verübt, wovon 53% mit einer Ordon nanzwaffe, was 230 Toten im Jahr entspricht (Schätzung freundlicherweise von Herrn Prof. Martin Killias, Zürich, zur Verfügung gestellt). In Deutschland sind es dagegen lediglich 5% ...[3]. Und nichts geschieht. Ein erster Schritt wäre, dass nach Beendigung des Dienstes ALLE Ordonnanzwaffen ins Zeughaus zurückgebracht werden müssten. Zwar wird der empörte Aufschrei der Ewiggestrigen nicht ausbleiben, die dem hehren Bild des freien Schweizer Mannes nachtrauern, der auf seinem Velo mit umgehängtem Sturmgewehr zum Schiessstand im idyllischen Bergtal pedalt. Aber machen wir uns doch nicht länger etwas vor: Es werden sicher nicht über Nacht böse Feinde über unsere Grenze hereinbrechen und tonnenweise Gold aus unserer Nationalbank stehlen. Da wird sicher genügend Zeit bleiben, um unsere Waffe im nächsten Zeughaus zu holen. Die Befürworter der Ordonnanzwaffe zu Hause wärmen immer wieder dasselbe Argument auf: Wer Suizid machen will und keine Waffe im Keller oder Estrich zur Hand hat, wird sich eben eine besorgen und die Tat später ausführen. Nichts könnte falscher sein. Miller und Hemmenway weisen darauf hin, dass von den Patienten, die einen missglückten Suizidversuch hinter sich hatten und befragt werden konnten, 24% angaben, dass zwischen dem Entschluss zum Suizid und der Tat weniger als 5 Minuten verstrichen, und dass bei 70% diese Zeitspanne weniger als eine Stunde betrug. 90% derjenigen, die einen Versuch überleben, sterben auch später nicht an einem Suizid. Ein ganz wichtiges Element der ganzen Problematik ist demnach die Impulsivität des Handelns. Suizi dale Krisen heilen in den meisten Fällen spontan wieder ab. Postkartenidylle hin oder her: Waffen gehören ins Zeughaus. Es braucht überdies eine konsequente, strenge Kontrolle des Handels mit «zivilen» Waffen. Folgen wir konsequent diesem Weg, dann dürfen wir damit rechnen, dass unsere rekordhohen Selbstmordraten – die so gar nicht zum schönen Bild passen, das wir uns von unserem Land machen, sinken werden; die Erfahrungen in Austra lien und Österreich [3] haben das gezeigt. Antoine de Torrenté Am vergangenen 10. September hat man den Welttag der Suizidprävention begangen – sehr zurück haltend allerdings, muss man sagen. Da kommt der Artikel von Miller und Hemmenway im New England Journal of Medicine vom 4. September mit einer hochinteressanten Übersicht über Suizid durch Schusswaffen in den USA wie gerufen [1]. Die Zahlen in diesem Artikel sind niederschmetternd; fast fühlt man sich, als wäre man selbst von einer Kugel getroffen. Haben Sie gewusst, dass Suizid in Amerika bei unter 40-Jährigen die zweitwichtigste Todesursache darstellt? Im Jahr 2005 (neueste verfügbare Zahlen) haben sich täglich 46 Amerikaner mit einer Feuerwaffe selbst getötet (die 33 Morde pro Tag selbstverständ lich nicht mitgezählt). Zahlreiche Studien haben nachgewiesen: Dieses Risiko steigt weiter und da, wo eine Waffe zu Hause verfügbar ist, gar um das Doppelte bis Zehnfache. Miller und Hemmenway verglichen die Selbstmordrate in den Staaten mit dem höchsten Anteil an Haushalten mit einer Schusswaffe (47% Waffenbesitz) mit derjenigen von Staaten mit dem geringsten Anteil an Waffen besitzern (15%). Beobachtungsdauer (2001 bis 2005) und Bevölkerung waren in den beiden verglichenen Gebieten gleich. Und man höre und staune: Bei den Männern steigt das Risiko in den Gebieten mit verbreitetem Waffenbesitz gegenüber demjenigen mit geringerer Verbreitung auf das 3,7-Fache (14365! gegenüber 3971 Fällen), bei Frauen gar auf das 9,7-Fache (2212 gegenüber 286 Fällen). Aber trotzdem – und dies ist der Gipfel der Ironie – hat der Supreme Court der Vereinigten Staaten im Juni das Waffentragverbot in der Hauptstadt Washington aufgehoben (Urteil District of Columbia vs. Heller) [2]. Auf das Resul tat dieses Experiments darf man gespannt sein. In der Schweiz, dem glücklichen Land, wo der Bürger und Soldat seine Kuh melkt und in Frieden sein Leben fristet, könnten sich solche Gräuel natürlich niemals zutragen. Sind Sie sicher? Unser schönes Land hält den traurigen Rekord an Suiziden in Europa, etwa 1500 Suizide, d.h. 19,1 Fälle auf 1 Einwohner, pro Jahr. Das sind mehr als die Toten im Strassenverkehr, wegen Drogenmissbrauchs und AIDS zusammen! Von den 1500 «erfolgreichen» Suiziden werden 29% (bei den 15bis 24-Jährigen sogar 43,6%) mit einer
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