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Nation und Nationalismus: Ein Eigengoal
Author(s) -
Die Redaktion
Publication year - 2008
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2008.06498
Subject(s) - political science
Penaltyschiessen bezwang, mit 60 Fällen eine «schöne» Ernte an kardiovaskulären Ereignissen eingefahren werden (in den Kontrollperioden zehn bis fünfzehn Fälle, vgl. Abbildung 1 des erwähnten Artikels). Bei maximaler Spannung – maximales Risiko! Hingegen hatten die Spiele, an denen Deutschland nicht beteiligt war, verglichen mit den Kontrollperioden, keinen Effekt. Derartige Folgen sind – im Zeitalter des Internets, der Globalisierung, wo Reisen über die Kontinente fast so selbstverständlich geworden sind wie eine Fahrt im Vorortszug – erstaunlich. Hat der Sport etwa die Funktion der früheren Grabenkriege übernommen? Haben wir nichts gelernt? Oder ist Sport eines der letzten Rückzugsgebiete für Gefühle lokaler und nationaler Verbundenheit geworden–ähnlichwiediegeschütztenHerkunftsbezeichnungen für Wein, Käse und Würste – das Letzte, was uns an Zusammengehörigkeitsgefühl geblieben ist in einer wie bisher nie durchmischten Welt? Die Resultate dieser bayerischen Studie lassen sich leicht auf den Sommer 2008 extrapolieren. Die vielen sitzenden, an ihrem eigens für diesen Anlass angeschafften Flachbildschirm klebenden «Sportfans» mit ihrem erhöhten BMI und der brisanten Mischung von freien Fettsäuren, Adrenalin und proinflammatorischen Zytokinen im Blut haben ein sehr hohes Risiko. Wir kennen diese zukünftigen Patienten gut: Es sind unsere eigenen! Sollen wir bei ihnen Betablocker, Statine und Aspirin während der Euro 08 höher dosieren? Das Thema mit ihnen vorbeugend besprechen, um allzu heftige Reaktionen auf traurige Niederlagen oder gloriose Siege möglichst im voraus zu mildern? Das müssen Sie wohl selber entscheiden ... ! Bald ist der Sommer mit seinen langen Abenden und milden Lüften wieder da. Dann können wir demUferentlangschlendern,densteilenBergpfad emporklettern und einen flammenden Sonnenuntergang geniessen ... Ach nein! Weit gefehlt: Wir schalten den Fernseher ein, fläzen uns aufs weiche Sofa, lockern den Gürtel und lassen unseren Wabbelbauch sich wohlig über unsere fetten Schenkel ausbreiten. Dann Dosenbier und die unwiderstehlichen Chips. – Euro 08! Fast täglich werden wir mit ihr konfrontiert, über sämtliche Medien, die unserer zivilisierten Gesellschaft zur Verfügung stehen, abonnierte Blätter, Gratiszeitungen, Fernsehen, Internet. Aber Achtung: Die Fussballmanie kann tödliche Folgen haben! Im New England Journal of Medicine ist im vergangenen Januar eine Forschungsarbeit aus Bayern erschienen, in welcher die Anzahl kardiovaskulärer Ereignisse während der 30tägigen Periode, in der die Weltmeisterschaft 2006 stattfand, verglichen wurde mit derjenigen in vier anderen, gleich langen Kontrollperioden [1]. 4279 Patienten, die während dieser 30 Tage den Notfalldienst gerufen hatten, wurden untersucht. Die Resultate sind erstaunlich: Es wurden 2,49 Mal mehr Herzinfarkte mit ST-Hebung, 2,61 Mal mehr Herzinfarkte ohne ST-Hebung oder instabile Angina, 3,07 Mal mehr Arhythmien mit schweren klinischen Symptomen (zum Beispiel Herzstillstand) beobachtet als während der Kontrollperioden. Wetter und Luftverunreinigung hatten keinen Einfluss. Diese Resultate lassen sich weiter verfeinern: Das Risiko nahm zu, wenn 1. Deutschland spielte, 2. der Match hart auf hart verlief, 3. beim Patienten eine vorbestehende Koronarerkrankung bekannt war. Zum Beispiel konnte beim Viertelfinal vom 30. Juni, als Deutschland Argentinien erst im

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