z-logo
open-access-imgOpen Access
Wer ist bei einer Influenzapandemie gefährdet?
Author(s) -
R Krapf,
Hans H. Hirsch
Publication year - 2007
Publication title -
swiss medical forum ‒ schweizerisches medizin-forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1424-4020
pISSN - 1424-3784
DOI - 10.4414/smf.2007.06271
Subject(s) - philosophy
konventionelle Influenzaviren stützen sich auf die Beobachtung, dass die grippeassoziierte Morbidität und Mortalität vor allem bei älteren Menschen hoch sind. Auch die Influenzaepidemien in den Jahren 1957/58 und von 1968 bis 1970 führten vor allem bei älteren Menschen zu einer erhöhten Mortalität. Überraschenderweise zeigt Abbildung 1 x jedoch, dass die Mortalität während der berüchtigten Grippepandemie von 1918 bis 1920 bei Erwachsenen jüngeren und mittleren Alters am höchsten war [1]. Welches sind die Gründe für diese vielleicht kontraintuitive Beobachtung? Möglicherweise hatten ältere Patienten von früheren Grippeepidemien her schon ein immunologisches Gedächtnis gebildet, was den jüngeren Erwachsenen fehlte. Gegen diese Hypothese spricht der Umstand, dass die Mortalität auch bei Kindern und Adoleszenten tiefer war (Abb. 1). Könnten die jungen Erwachsenen also Opfer ihrer guten Immunantwort bzw. einer aggressiven, um nicht zu sagen autoaggressiven Entzündungsantwort geworden sein? Etwas Licht in diese für künftige Pandemien mit dem Vogelgrippeund anderen Influenzaviren wichtigen Frage hat die experimentelle Infektion von nichthumanen Primaten (Makaken) mit einem konventionellen Influenzavirus (K173) oder dem mittels «reverse genetics» synthetisierten und vermehrten 1918-Influenzavirus gebracht [2]. Im Gegensatz zum K173indizierte das 1918-Virus eine schwere, diffuse und hämorrhagische Pneumonie. Wie Tabelle 1 p mit einer Auswahl der getesteten Entzündungsproteine und antiviralen Genprodukte illustriert, rief das konventionelle K173-Virus eine relativ moderate wirtsbedingte Entzündungsreaktion hervor, während die Produktion antiviraler Proteine offensichtlich stark gesteigert war. Gerade umgekehrt präsentiert sich die Situation beim 1918-Virus, das zum Beispiel eine massive Interleukin-6-Produktion (dem Stimulus für die CRPProduktion in der Leber), aber nur eine moderate Bildung antiviraler Proteine induzierte. Somit scheint es, dass der Schweregrad der 1918-Virus-Infektion von einer gesteigerten proinflammatorischen, zugleich aber auch von einer eingeschränkten antiviralen Wirtsantwort abhängt. Ist zuviel Abwehrkraft also schädlich? Wenn ähnliche Mechanismen auch für die Auseinandersetzung mit dem Vogelgrippevirus (H5N1) und/oder anderen Influenzatypen, die dem 1918-Virus ähneln sollten, zutreffen, ist dies für die Identifikation von Risikopopulationen von grosser Bedeutung. Sind es wieder die im Erwerbsleben stehenden Erwachsenen? Ein besseres Verständnis dieser Wechselwirkungen zwischen Virustyp, wirtsbedingter Entzündungsantwort und wirtsbedingten antiviralen Mechanismen spielt sowohl bei der Verbesserung der präventiven als auch der therapeutischen Interventionen eine zentrale Rolle. Eine Impfung, welche die Neutralisation eines neuen Pandemiestammes erreicht, wäre ein wichtiges Element dieser Strategie. Da man hierfür jedoch mindestens sechs Monate benötigen wird, kann eine erste Ausbreitungswelle nicht abgefangen werden. Deshalb hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) acht Millionen eines präpandemischen H5N1-Impfstoffes mit einem noch nicht effizient beim Menschen zirkulierenden Stamm in Auftrag gegeben, der noch in diesem Sommer ausgeliefert werden soll. Es ist beabsichtigt, diesen Impfstoff im Fall einer Pandemie innerhalb von drei bis sechs Wochen an die Bevölkerung abzugeben, um bei einer Infektion mit dem pandemischen Impfstoff den Aufbau einer spezifischen Immunität zu verkürzen. Man hofft, dass dadurch die entzündlichen Reaktionen aufgrund einer schnelleren spezifiE D I T O R I A L Schweiz Med Forum 2007;7:684–685 684

The content you want is available to Zendy users.

Already have an account? Click here to sign in.
Having issues? You can contact us here
Accelerating Research

Address

John Eccles House
Robert Robinson Avenue,
Oxford Science Park, Oxford
OX4 4GP, United Kingdom